Wenn ich mal die zweieinhalb schlecht oder ...


Wenn ich mal die zweieinhalb schlecht oder gar nicht bezahlten Monate in einer indischen Im- und Exportfirma für Lederwaren abziehe, auf die ich mich todesmutig als ersten Job nach abgeschlossener Ausbildung eingelassen hatte… wenn ich also diese inspirierende Phase und zwei Wochen als Leihsklave einer Zeitarbeitsfirma mal abziehe, dann arbeite ich heute mehr oder weniger auf den Tag genau 11 Jahre. Ausbildung nicht mitgezählt, klar, und auch nicht durchgehend in derselben Firma, auch klar. Vielleicht hätte ich diese nachdenklichen 10 Minuten von heute vor einem Jahr haben sollen, als das erste Jahrzehnt voll war, aber so war’s eben nicht.

Mir schien es damals das Tollste und Erstrebenswerteste überhaupt, einen Job zu haben, in dem man eigentlich nur Englisch sprach (das konnte ich, das mochte ich) und am Computer arbeiten durfte (die waren neu, die machten süchtig) und wenn man nach vorwärts träumte, ja dann gab es vage Vorstellungen von spannenden Dingen, die einen auch mal ins Ausland verschlugen. Es muss bei dem achtzehnten oder zwanzigsten Mal gewesen sein, dass ich durch Heathrow stolperte oder in Lissabon Verspätung hatte, als mir endlich aufging, dass ich gekriegt hatte, was ich wollte - und es mir gar nicht gefiel. So ist das wohl am Anfang. Jetzt spüre ich ein ungehaltenes Zucken mein Rückgrat hinunter, wenn sich ein Termin ausserhalb von Düsseldorf ankündigt (muss das denn sein, das stiehlt mir wieder einen Abend, eine Nacht, einen Morgen meines Lebens in einem hässlichen teuren Hotel in einer hässlichen fremden Stadt…).

Anfangs war es etwas Besonderes. Alles war neu. Ich weiss es nicht so gaaaanz genau, aber ich glaube, sowas tut jeder beim ersten Mal: Manchmal wäre ich zwischendurch gerne wieder das Mädchen, das mit glühenden Wangen in London im Hilton die exquisite kleine Seife einsteckte.

Ich mag nicht richtig darüber nachdenken, aber ich glaube, ich habe sie schon längere Zeit nicht mehr gesehen. Wenn sie noch da ist, die Seifeneinsammlerin, dann ist sie jedenfalls verdammt zu müde.

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