Der erste Schritt aus dem Bett ist ...


Der erste Schritt aus dem Bett ist der Schlimmste. Der linke Fuss ist völlig verkrampft, erst nach einigen Minuten kann ich schmerzfrei auftreten. Ich habe es schon lange aufgegeben, herauszufinden, warum es der linke ist, wo doch der rechte Fuss den Unfall hatte - wahrscheinlich verlagere ich ständig das Gewicht auf das andere Bein. Orthopäden sind nicht hilfreich, ausser man sucht Stoff für einen Gruselroman oder hält sich gerne in Wartezimmern auf, den Blick auf gehbehinderte alte Menschen vermeidend. Fünf Minuten, und der Schmerz ist vergessen. Etwa eine halbe Stunde später meldet sich der rechte Fuss. Stehen ist nicht so gut, Treppensteigen naja, Autofahren anstrengend, Sitzen könnte entspannender sein ... im Büro liegen geht halt nicht sehr gut. Manchmal halte ich an und versuche, den Schmerz zu identifizieren. Ist es ein Pochen? Nein, mehr ein Klopfen, aber auch nicht richtig. Fast wie ein Krampf, dann doch mehr wie ein Druck ... es fühlt sich an, als würde ein Riese meinen Fuss in der Faust zerdrücken und der würde schmerzhaft klopfen. Ja, das trifft es.

Im Fitness-Studio haben sich alle längst daran gewöhnt, dass ich zwar kaum die Treppen hochkomme, aber jeden Kurs besuche, für den ich Zeit finde. Der Fuss hämmert, die Musik auch. Nach und nach erwärmt sich mein ganzer Körper ... und nach einer Viertelstunde bin ich glücklich, entspannt, verschwitzt und schmerzfrei. Das hält Stunden, manchmal Tage. Gestern waren wieder ein paar neue da, von denen sich eine in der Hoffnung neben mich stellte, dass sie sich gut machen würde neben so einer schwergewichtigen Dame. Dabei hat sie bestimmt nicht erwartet, dass sie nach einer halben Stunde keuchend an der Heizung lehnen würde, um sich anzusehen, wie ich die Knie locker bis auf ihre Ohrhöhe ziehe *grins* so klein war die übrigens gar nicht.

Die Kurse von Janny sind berüchtigt. Noch vor kurzem ist eine andere Trainerin geflohen, die das Tempo nicht packte. Aber man gewöhnt sich dran, ich bin schliesslich schon ein paar Jahre in diesem Studio und zahle mit 45 Minuten Schufterei für einen schmerzfreien Tag. Nicht mal vor zwei Jahren, als ich rund 40 Kilo mehr wog als jetzt, hat sich jemand getraut, mich schief anzusehen *ggg* im Gegenteil. Tjaha, so ein Unfall haut schon rein ins Leben. Die Mädels im Studio haben so oft zu mir gesagt, wie toll sie es fänden, dass ich mich da “hintraue”, dass ich mal zu einer zugegeben recht blöden gesagt habe “Wieso, Du gehst doch sicher auch in Buchhandlungen?” Das war nicht nett. Geb ich zu. Hehe. Sie gehörte zu denen, die in der Schwangerschaft geschlungen haben wie Mastschweine und jetzt jammern und wehklagen und dauernd über Steckrübendiäten und sowas reden wollten. Herrjeh, mir ist es doch egal, ob andere Leute sich ihr Leben damit versauen, zehn Pfund zuviel zu wiegen und das dramatisch zu finden - ich bin völlig beschäftigt mit dem Prozess des Überlebens im Alltag 😊

Obwohl, da war doch was. Georges, den ich hiermit herzlich grüsse, schreibt “Irre ich oder haben Sie endlich Ihren passenden Schuh gefunden?” Ausgerechnet Schuh. Wenn er wüsste, wie ich damit gekämpft habe, einigermassen erträgliche Schuhe zu finden. Ach Georges. Wer weiss das schon, ob das der richtige Schuh ist, und muss ich das jetzt schon wissen? Ich bin glücklich. Und jemand, der auch alleine zufrieden war und gut zurechtkam, ist gleich doppelt und dreifach glücklich - viel mehr als jemand, der verzweifelt suchte. Es sind erst ein paar Monate. Aber ich danke Euch, dass Ihr Euch für mich freut. Ich freu mich auch. Danke, Georges, dass Du mein Bild bunt gemacht hast. Ich fürchte fast, so sehe ich nicht mehr aus 😊)) aber bunt fühle ich mich. Ja.
Liebe Grüsse Euch allen
Melody

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