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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

So viele von euch haben uns geholfen, das vergessen wir nicht.

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Mittwoch, 02. September 2015

Mittwochs im Düsseldorf

Noch nicht halb 11 und ich habe schon zweimal gegen den Planeten gewonnen.

Einmal, als der zweifellos schwer unterbezahlte Pförtner mir erzählte, wie schlimm “diese Menschen” sich aufführen. Und ich ihm sagte: “Das stimmt. Aber in zwanzig Jahren sind wir alt und treffen die immer noch. Dann sind wir froh über jeden Einzelnen, dem wir gezeigt haben, dass es auch anders geht. Wir sind die einzige Möglichkeit, diesen Kindern zu zeigen, dass es nicht immer so sein muss.”

Ich sah den Cent langsam abwärts kullern, als er sich zu mir umdrehte und nachdenklich sagte: “Das stimmt.”

Weil ich das nie erwartet hätte, musste ich schnell raus und draußen heulen.

Mein zweiter Sieg fand gegen König Löwenherz statt. Er ist mit Abstand das schlimmste Kind und daran gewöhnt, am Schlafittchen gepackt und weggeschickt zu werden, weil er frech und renitent ist und lügt und Randale macht und und und. Jeder kennt ihn. Wir haben ihn auch schon eingedampft.

Aber als er dann heute morgen behauptete, er hätte einen Schulplatz (und ich wusste ja schon, dass es nicht stimmt), habe ich beschlossen: Den liebe ich jetzt nieder.

Und habe ihm gezeigt, dass ich ihn ernst nehme. Die Leiterin angerufen und zurückgefragt. Nachmittags um Drei könne er kommen.

Das habe ich ihm dann auch erklärt. Und ihn gefragt, ob er schon wüsste, dass er den gleichen Vornamen hat (zumindest gesprochen) wie ein berühmter englischer König? Ein starker, stolzer Mann, der seinen Freunden im Krieg immer geholfen hat.

Dann taufte ich ihn Löwenherz und sah zum ersten Mal kein wütendes Grollen, sondern ein erstauntes, weit offenes Kindergesicht, als wir von ihm weggingen.

Und überlege jetzt, wer mir bis heute Nachmittag mal drei Sätze Bosnisch übersetzen kann. Naja, oder fünfzehn.

*

Nie in meinem Leben habe ich so viel Dreck und Kleister in Wohnräumen gesehen, noch niemals eine so schlimme Küche.

Ich will nicht lügen, irgendwie haben würdevolle syrische Akademiker mir am besten gefallen bei den Berichten über die Flüchtlinge (wer hier keine Spuren von Ironie entdeckt, möge seine Kommentare bitte behalten).

Und vor den Roma hatte ich Angst, weil, egal weil, Erfahrungen eben.

Es dauerte 22 Sekunden. Zwanzig Sekunden, bis wir von den Kindern umringt waren und zwei, um den mördergroßen Kloß im Hals herunterzuschlucken und zu erkennen:

Verdammt. Was für ein Geschenk, an einem Ort helfen zu können, an dem man so dringend gebraucht wird.

# 02. September 2015 um 08:36 AM
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Freitag, 28. August 2015

Es gibt da einen Haken. Jetzt.

Der Mann ist immer wieder schockiert, wenn ich mir weiße Tesa-Powerstrip Wandhaken nachkaufe.

Nicht, weil es so viele sind.

Sondern weil ich mir angewöhnt habe, mir dort einen Haken zu machen, wo er fehlt und ich ihn aber brauche und ein Haken meinen Komfort so deutlich erhöht, dass die 50 Cent sich lohnen:

Krankenhausbadezimmer, Hotelbäder, Umkleidekabinen bei größeren Aktivitäten, schlecht ausgestattete Toiletten und so weiter.

Keine Sorge, ich mach sie dann auch wieder ab. Naja. Nicht in Krankenhauszimmern und Toiletten, wenn sie wirklich fehlten.

Zum Glück haben auch nicht mehr so viele Einrichtungen Wände mit Fliesen in Bahama-Beige, so dass ich mich auf Weiß beschränken kann.

# 28. August 2015 um 08:52 AM
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Samstag, 01. August 2015

Kein Wunschkonzert

Wenn mal bitte jemand herausfinden könnte, warum in Blogs kaum noch jemand kommentiert - aber wenn, dann sind die Bemerkungen von Fremden leider kaum noch interessante Ergänzungen wie früher?

Heute sind (oft) nur noch unerwünschte Analysen, noch unerwünschtere Beratungen und übergriffige Wertungen im Angebot. Gelegentlich garniert mit süffisanten Belobigungen, wenn einer der vorbeisurfenden Egomanen einen eigenen Gedanken wiedererkennt und sich angenehm gespiegelt fühlt.

Kurz zusammengefasst: Zu viele haben doch ein Rad ab, und das hängt nicht mehr locker am Fahrgestell.

Ich meine jetzt nicht die typischen Begleiterscheinungen: Die notorisch auftretenden Drüberalleskommentierer, die selbst ernannten Oberlehrer und die militanten Missionare zu den üblichen Verdächtigen unter den Aufregerthemen.

Wir haben wahrscheinlich alle gelernt, diese größtenteils einfach zu ignorieren, weil sie sich gut einordnen lassen - viele ansonsten normale Menschen mutieren auf Facebook zur Thread-Pocke, was soll man da machen? Nix.

Aber wie jemand das virtuelle Wohnzimmer anderer Leute betreten kann in der Annahme, dass eine umfassende Wertung erwartet und willkommen ist, das finde ich einfach nur verblüffend.

Einerseits eine solide Grundhaltung, als sei man ein zahlender “Gast”, andererseits die Kostenlos-Mentalität, dekoriert mit Gespack: In Deinem Blog muss ich nicht investieren in Bekanntschaft oder Freundschaft, um eine Meinung dazulassen - hier kann ich einfach hämisch reinrotzen.

Zwar meine ich gar nicht dieses Blog, sondern andere. Trotzdem ist es fraglich, ob ich die Kommentarfunktion offen lasse. Nicht, dass sich hier so viel tut, es geht mehr ums Gesamtgefühl. Wo ich privat herumblogge, muss es mir nicht alles an den Rand spülen, was rumkreucht, wenn ich doch mal aktiver werde.

Ach ja, und bei meinem privaten Facebook kann deswegen nicht jeder kommentieren, weil ich so schon kaum noch nachkomme mit dem Lesen der Benachrichtungsdings. Gefährlich oft klicke ich auf “alles als gelesen markieren”, wenn ich noch gar nicht überall war, das muss nicht noch weiter eskalieren.

Mir ist zwar bekannt, dass sich dazu auch schon Leute kritisch geäussert haben, aber so lange sie sich nicht die Mühe machen, mich persönlich darauf anzusprechen, erfahren sie die Begründung halt auch nicht von mir persönlich.

Dann habe ich noch ein Wort für euch, das ich heute zur Welt gebracht habe: Nölant.

Nölant/in: Jemand, der/die so oft rumnölt, dass das Genöle nach einer Weile alles ist, was einem zu jener Person noch spontan einfällt, obwohl er/sie sicherlich/hoffentlich noch andere Talente hat und wahrscheinlich sogar nett ist, aber virtuell die rumkrittelnde Dauerplärre gibt und damit irgendwann einfach jeden anderen Eindruck übertönt.

# 01. August 2015 um 07:24 AM
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Donnerstag, 23. Juli 2015

Das Netz, das wir vergassen zu bewahren

Artikel auf zeit.de: Das Internet, das wir bewahren müssen.

Zu spät. Dieses Net ist gestorben mit den Wichtigwichsern, den Bedeutungshanseln und allen, die Leser mit Fans, Followern und Anbetern verwechseln. Wenn ich lese, dass sich jemand als “Influencer” bezeichnet, muss ich lachen. Aber die meinen das ja alle ernst, sehr ernst sogar. Es ist die Anerkennung, die sie sich gewünscht haben und es wäre unhöflich, das dann zu kommentieren.

Außerdem ist es ja nur meine Version, in der Paralleldimension ist das vielleicht alles gar nicht so flach. Sondern das, was manche Menschen unter einem erreichenswerten Ziel verstehen.

Stille Hoffnung, dass nicht die ganze Menscheit so dumm sein kann wie ihre Kommentare. Immerhin gibt es ja noch den einen oder die andere, die nicht auf Klettverschlüsse setzen müssen, sondern ihre Schnürsenkel gebunden haben. Hoffentlich alleine.

Und natürlich gibt es die Bubble, die Kompatiblen. Und das Drumherum mit den verschiedenen Schwerpunkten, die Menschen (sich) setzen. Meine scheinen mir oft praxistauglich, aber verschroben im Vergleich.

Mir zieht es ja zB immer noch die Zehennägel hoch, wenn begeistertes Networking in erster Linie daraus besteht, das Gegenüber auf Nützlichkeit für die eigenen Zwecke abzuklopfen.

Einfach mal “Nein” zu sagen führt zu erstaunlichen Reaktionen, meistens so eine Art Applaus, WEIL MAN SICH DAS JA DANN VON MIR MITNEHMEN KANN, WIE MAN SICH ABGRENZT.

Ich bin nicht netzmüde, aber leider immer seltener ernsthaft begeistert.

# 23. Juli 2015 um 09:21 AM
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Dienstag, 16. Juni 2015

Thema Raumgreifer, auch Mansplainer oder Belehrbären genannt

Volker schrieb auf Facebook im Rahmen eines (freundlichen) Austauschs über die Meta-Ebene von Feminismusdiskussionen unter anderem “Die Gruppendynamik sorgt dafür, dass Männer, die auch nur kritisch hinterfragen (z.B. wie ich, wenn ich etwas plausibel finde aber nicht völlig verstehe) gleich zu “denen” gehören.”

Einen Teil meiner Antwort möchte ich gerne hier ablegen:

Das Problem, das viele erhitzte Diskussionen über diese schwierigen Themen meiner Meinung nach haben: Immer noch ein weiterer “ergänzender relativierender Fakt”, der von einer Problemlösung wegführt, um das Gespräch über das Problem zu verwässern, fühlt sich nach dem x-ten und xx-ten Mal einfach nur noch supernervig an. Wie ein platzgreifender Mann nämlich, der in einen überfüllten Waggon steigt und alle nötigt, sich mit seinen auseinandergeklappten Knien, Körpergerüchen und der unerwünschten Ansicht auf sein Gemächt zu beschäftigen, weil er wie alle anderen Reisenden ein Anrecht darauf hat, so zu sitzen, wie es ihm behagt. Alle dürfen reisen, alle dürfen reden, er natürlich auch, inhaltlich hat er genau so oft Recht oder Unrecht wie alle anderen auch, aber gefühlt hat man immer diese unangemessen weit ausgeklappten Knie und die sich am Hoden kratzende Pranke im Blickfeld und alles nimmt standardmässig, aber doch unangenehm viel Platz ein und ja, irgendwann NERVT ES NUR NOCH, dass immer ein Mann reinkommt und einem das eigene Problem aus seiner Sichtweise neu erklärt, ob er nun darf oder nicht.

# 16. Juni 2015 um 09:40 AM
ranting • 0x FeedbackDrucken





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