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Dienstag, 06. Juni 2017

Von Arschlöchern lernen

Vor ein paar Wochen stolperte ich leider versehentlich einer Frau über die virtuellen Zehen, die sich online darüber ausließ, wie man sie zu behandeln habe und wie nicht (als Person, die ich vor langer Zeit als Mann kannte und die inzwischen eine Frau ist). Sie schrieb darüber, dass es bevormundend und entmenschlichend sei, wenn jemand (dies und das) tun würde und ich antwortete spontan, dass es nichts geben würde, das sie entmenschlichen könne.

Weil das meine Meinung ist: Man muss sich ggf. mit Beleidigungen oder anderen Ärgernissen herumschlagen, aber niemand kann einem Menschen das Menschliche wegnehmen/absprechen.

Sie hat mich dann in einem virtuellen Kotzanfall gesperrt und ich habe drei Tage vor dem Rechner gesessen und überlegt, wie ich am besten eine Mail oder sogar einen Brief schreiben sollte, um zu erläutern, dass ich es nicht verletzend oder bevormundend gemeint hatte, sondern es einfach meine Meinung ist und dass kaum noch irgendein Austausch zustande kommt, wenn der klügste Spruch von allen nicht mehr gilt: „Don’t take offense, when none is given“.

Einfach, dass ich es nicht böse gemeint hatte, dass ich sie selbstverständlich nicht verletzen wollte, dass es mir leid tut, wie das gelaufen ist.

Diesen Sortierprozess unterbrach zum Glück ein hilfreicher Freund, der sinngemäß meinte, ich solle meine Energie und meine kostbare Zeit nicht auf einen Menschen verschwenden, der sich mit solchem Nachdruck wie ein Arschloch benimmt, schließlich habe die Person ihre Energie auf mich ja auch nicht verschwendet. Arschloch ist Arschloch, egal welchen Geschlechts.

Das stimmt.

Aber ich habe trotzdem etwas gelernt, das ich inzwischen in lohnenderen Vorgängen einsetzen konnte. Na gut, in einem lohnenderen Vorgang.

Wenn jemand so hart kämpft, um zu sich selbst zu finden, gibt es auf diesem schwierigen Weg wohl immer auch einen rohen, wunden Punkt, an dem andere nicht viel richtig machen können – wenn sie nicht telepathisch und auf Knopfdruck jedes, aber auch wirklich jedes Detail erraten können, das gerade von ihnen gewünscht wird. Oder unbeholfen sind, oder Kommunikationsfehler machen, oder nicht so perfekt sind, wie das Situationsarschloch es gerade anfordert. Gnadenlos anfordert. Tagesformabhängig, zweifellos. 

Weil die aufgewühlte Person einen so anstrengenden Weg gegangen ist oder geht, dass sie nicht mehr differenzieren kann, wer Freund und Feind ist, es muss einfach nur noch alles kompromisslos klappen, sonst ist es (für ihn oder sie) nicht auszuhalten. Und an dieser Stelle des Wegs trennt sich nicht nur Spreu vom Weizen, da wird auch einfach hilflos und wahllos um sich geschlagen und weggesäbelt.

Wenn man das begriffen hat, oder zu begreifen meint, wie sich das anfühlt, toleriert man viel mehr schlechte Tagesform, auch wenn man selbst eine solche Schälung nicht durchlaufen hat und nur von außen guckt.

Wenn sich jemand lohnt, hält man also die Luft an und wartet, bis man wieder reden kann. Dann hat man eine reelle Chance darauf, dass alles gut wird. Weil man es gut miteinander meint. Ein Mensch, der sich Mühe mit anderen gibt, erkennt schließlich schnell, wann ihm oder ihr jemand tatsächlich „etwas wollte“ und wann nicht.

Und ich gehe auf Zehenspitzen leise weg von solchen Situationen, denn ich möchte gar nicht erst in die Verlegenheit geraten, etwas falsch zu machen. Unterstützung und freundliche Bekanntschaft oder mehr kann ich auch zeigen, wenn die anderen ihre Tretminen besser sortiert haben, die sch*issen ja schließlich darauf, ob ich sie supporte oder nicht, in dem Zustand :-)

# 06. Juni 2017 um 11:00 AM
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Mittwoch, 14. Dezember 2016

Der vierte Wunsch

„Schätzeken,“ sagte der Fee und bröselte sorgfältig ein Muster aus Rohrohrzucker in den Schaum auf seinem Latte Matcha, „das verstehe ich jetzt einfach nicht. Du lässt sie verfallen?“
Normalerweise zuckte die Frau auch nach all den Jahrzehnten noch zusammen, wenn der Fee unangemeldet neben ihr auftauchte. Diesmal nicht. Sie betrachtete die Wimper, die auf ihrer Fingerspitze lag. Dann den Fee, dann den perfekten Pfefferminztee, der vor ihr stand. Dessen Blätter schoben und streckten sich im dampfenden Wasser, als der lange Löffel voll Kandis sich nach unten kämpfte. Statt die Wimper mit geschlossenen Augen von sich zu pusten, legte sie das einzelne Härchen sorgfältig auf den Untertassenrand und rührte ihren Tee, damit seine minzduftenden Schwaden aufsteigen konnten. „Ich glaube doch sowieso nicht daran, ich bin nicht abergläubisch.“
Fast unauffällig nahm der Fee ihren Keks (und mit diskretem Lidschlag auch die drei Amarettini der Damen vom Ecktisch zehn Meter entfernt) und schnaubte dabei kokett verächtlich. „Doch, das tust Du. Dreimal hast Du das getan, dreimal hat es geklappt. Das ist eine große, wunderbar geschwungene und makellos schwarze Wimper. Du lässt sie verfallen?“
Die Frau nahm einen Löffel voll Tee, weil sie immer noch nicht wusste, wie man aus einem kochend heißen Glas ohne Henkel sonst trinken sollte und nickte. „Dreimal ist vielleicht schon genug. Was ich mir danach gewünscht habe, will ich nicht mehr. Soll ich mir jetzt einfach irgendwas …. Nein.“
Der Fee hatte seine eigene Meinung dazu, musste aber dringend überlegen, ob die Lippenstiftfarbe der Kellnerin ihm auch stehen würde. „Enchanted Passion Forever Forest Style Plum Kiss Pink“ murmelte er vor sich hin. Es klang wie eine Beschwörungsformel. Vielleicht war es das auch.

————————————

(vielleicht schreibe ich 2017 das Buch vom Fee, das ich mal versprochen habe. vielleicht auch nicht.)

http://www.katzenfrau.de/index.php/kurzgeschichten/schreiben/drei/

http://www.katzenfrau.de/index.php/kurzgeschichten/schreiben/service-vor-ort/

*
* Der Fee … Ihr fragt nach dem Fee und ob er ein Buch bekommt. Vielleicht. Verlagssuche und diese Dinge, darauf habe ich gerade wenig Lust (auch wenn mein erster Roman damals innerhalb einer Woche zwei Verlage fand und ich also keinen Grund sehe, vorbeugend entmutigt zu sein) So oder so,  der Fee kommt auf alle Fälle jetzt wieder öfter vorbei.

Der Fee ist hetero, außer ihm gefällt ein schöner Mann besonders gut. Er ist exakt so alt, dass er in den Geheimratsecken ein bisschen kahl wird, das macht er aber mit eleganten grauen Schläfen wett. Der Fee liebt heimlich ein bisschen Glitter und unheimlich alles, was der Kosmetikmarkt zu bieten hat – er wäre der perfekte Beauty-Blogger mit Milliarden Followern auf dem Youtube-Kanal, aber sein Arbeitgeber ist diesbezüglich nicht flexibel. Also veranlasst er so oft wie möglich seine Kundinnen zu Comfort Shopping, wozu er bald ein konzernweites internes Whitepaper herausgeben will. Er muss nur noch ausformulieren, warum diese Methode auch für andere gut ist und nicht nur für ihn selbst.
Der Fee wird eigentlich gar nicht nur zu Frauen geschickt, aber ein gelegentlicher Besuch an der organisatorischen Schnittstelle sorgt dafür, dass es dann doch so ist: Die älteren Damen finden den Fee überaus charmant und tun ihm gerne zwei Gefallen. Der Fee selbst hätte manchmal gerne einen anderen Job, weil ihn Romanzen ein bisschen langweilen, an denen er nicht selbst beteiligt ist. Aber mitten im Projekt erwischt es ihn dann meistens doch und er lässt sich mitreißen, biegt die Regeln und gibt unvernünftige Ratschläge, die aber das Herz erwärmen. Der Fee ist verfressen und verschlafen und wird bei der nächsten Reinkarnation wahrscheinlich als Zierwombat wiederkommen. Das kann aber noch dauern, denn obwohl er nach Menschenrechnung ein alter Sack von vierzig plus ist, zählt er unter Feen zu den Junioren.

# 14. Dezember 2016 um 02:42 AM
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Dienstag, 13. Dezember 2016

Betreutes Wohnen für Aussteiger

Am Nebenmittagstisch ein Mann, der aufs Possierlichste davon erzählt, wie schwierig es für seine Ex war, dass er über 20 Jahre gebraucht hat, bis er auch nur die grundlegendsten Haushaltsdinge kapiert hat. Zum Beispiel, dass man die anderen fragt, was sie brauchen, bevor man loszieht und sich selbst ein eigenes Joghurt kauft. So lustig. Zwanzig Jahre. Ha ha ha haha.

Dann beginnt er mit einer Ode auf Frauen 45+, weil diese bei der Beziehungsanbahnung nicht auf der Suche nach einem Kindsvater, einem Eigenheimbereitsteller oder einem Agenda-Vervollständiger seien, sondern sich ganz auf ihn und die Beziehung mit ihm konzentrieren würden.

Ich gewinne den innerlichen Nobelpreis für ausgeübte Selbstbeherrschung und schicke Gammastrahlen an seine Gesprächspartnerin: Sister. Don’t. Es sei denn, du stehst darauf, beim betreuten Wohnen der ausführende Part zu sein. 

Sie lächelt versonnen und stimmt butterweich zu. Frauen ab Mitte 40 seien allerdings ein Hauptgewinn. Vor allem für sich selbst.

Ich highfive mental im Kreis und kann beruhigt von dannen wandern. Aber eines Tages werde ich vielleicht diese irre Alte mit den leicht violetten Haaren sein, die sich in fremde Gespräche hängt. Wer weiß.

# 13. Dezember 2016 um 09:42 AM
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Dienstag, 29. November 2016

Die Sache mit der Sippenhaft

Vor jeder Ausnahme steht eine Regel. Jeden Menschen als Standalone-Version betrachten, wahrnehmen und annehmen ist eine. Man kann schließlich nicht jeden entsorgen, der einen mag, den man selbst nicht mag. Das wäre so anstrengend wie unfair. So unangemessen wie dumm.

Im Laufe eines halben Jahrhunderts lernt man also das unbeteiligte Schauen, das neutrale Nicken. Nach und nach auch immer mehr echte Toleranz, wenn jemand jemanden mag, den man nicht mag. Oder so sollte es vermutlich sein, oder so erlebe ich es. Das „man“ im Blog ist ja immer eins von persönlichen Erfahrungen und Einstellungen durchzogenes, es bleibt nicht aus und sollte das auch nicht.

So könnte man gut leben, gäbe es nicht immer auch Extreme. Dem amerikanischen Trumpeter verdanke ich es, die selbstgefällige Schmierigkeit eines toxischen Charismas heute gar nicht detailliert erläutern zu müssen: Es gibt nun mal Menschen, die sind wirklich sehr schlimm und trotzdem finden andere sie gut, bei denen man das nie erwartet hätte.

Egal wie sorgfältig man sich Sippenhaft abtrainiert, manchmal geht es einfach trotzdem nicht anders. Dreimal in meinem Leben habe ich mir nette Menschen abgewöhnt, die in schlechte Gesellschaft geraten sind und es offensichtlich total genossen, sich mit schmuddeligen trumpetenden Persönlichkeiten zu umgeben.

Weil ich niemandem wirklich vertrauen kann, der oder die mit einem deutlich fragwürdigen Menschen eng befreundet ist. Aber man sowas natürlich weder diskutieren noch ändern kann, schließlich würde ich mir in meine Freundschaften auch nicht reinreden lassen. Also bleibt nur Rückzug.

Das ist auch okay gewesen, das würde ich jederzeit wieder so machen in diesen drei Fällen. Es war kein Verlust, sondern ein Gewinn - es war eine begründete Vorsichtsmaßnahme, die glückte. Ich habe mich (und meinen privaten kleinen Einzelfall) geschützt, und ich hatte Recht, weil es für mich gut/besser war so.

Toxische Charaktere haben mit Sippenhaft natürlich weder ein Problem noch ein Thema. Wieder so ein Ding, bei dem man sich fragt, wie man der Tochter die Welt erklären soll. 

Bei der Vorstellung, wie es gerade einem ganzen Land geht, in dem Millionen von Menschen feststellen müssen, dass nette vertraute Personen freiwillig und freudig johlend bis zum Halsansatz in den fragwürdigsten Ausscheidungen unserer Gesellschaft stehen, wird mir allerdings ganz kalt.

# 29. November 2016 um 11:12 AM
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Freitag, 25. November 2016

Ab und zu ....

Ab und zu wünsche ich mir, ich hätte ein paar Dinge früher gewusst.

Zum Beispiel, dass sämtliche Handwerker (ich bin in meiner vierten Baustelle und es wird später wohl noch eine folgen) immer mit ihrer eigenen Agenda kommen und deine erst mal überschreiben wollen. Sich suchend schon mal nach der nächsten Aufgabe umsehen, die ihrem Leistungsportfolio entspricht und wie man sich dagegen wehren muss und am Ball bleiben mit den eigenen Anliegen.

Zum Beispiel, dass es Menschen gibt, für die (sämtliche) Gefühle ein Baukastensystem sind, mit dem man sich immer das Türmchen erbaut, das den aktuellen Bedarf deckt. Wichtiger noch, dass dies ein Zustand ist und keine Handlungsabsicht. Was trotzdem im Ergebnis hart kollidiert mit allem, was die allmighty school of Disney und Hollywood uns eintrichtern, von 98% aller Literatur mal abgesehen.

Zum Beispiel, dass man die gesellschaftlichen Erwartungshaltungen an Frauen ab 25 (Karriere aber endlich), ab 30 (wie, noch kein Kind?), ab 40 (jetzt aber mal kurze Haare gefälligst), ab 50 (wo bleibt das Beige?) vollinhaltlich ignorieren kann. Keine Frau wird je fremden Erwartungshaltungen gerecht werden, dazu sind es zu viele und zu unterschiedliche. Es zählen logischerweise also nur die eigenen.

Drei wertvolle Erkenntnisse, die dafür sorgen, dass ich anders an Angebote gehe, die mir unterbreitet werden. Naja. Meistens.

# 25. November 2016 um 07:54 AM
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