Standing Ovations für den Tagebucheintrag zum Thema ...

Standing Ovations für den Tagebucheintrag zum Thema “missratene Kinder” aus jeder Ecke. Zustimmung ist eine schöne Sache, aber das eigentliche Problem wird dadurch nicht gelöst. Es sind ja die Eltern, die dem Nachwuchs keine Grenze setzen. Die Idee, so eine Familie dann eben nur zuhause zu besuchen, ist mir natürlich auch gekommen: Mir wurde ganz klar mitgeteilt, den Kindern hätte man aber schon vor Wochen versprochen, sie dürften die Katzen streicheln und deswegen würde man lieber selbst kommen. Wenn ich mir vorstelle, ich würde meinen Katzen versprechen, sie dürften fremde Kinder ansabbern - wetten, die Mütter würden mich mit Entsetzen betrachten, wenn ich verkünde, wir würden dann mal vorbeikommen und die lieben Kleinen aufscheuchen, anpacken, rumschubsen und ablecken? Umgekehrt soll man nichts sagen bzw. wird man einfach ignoriert. Allerdings haben die Katzen den Ernst der Lage in einer Zehntelsekunde erkannt (sehr sehr laute und aggressive Kinderstimmen halt) und flüchteten sich erfolgreich auf 2,45 m Höhe oben auf den Küchenschrank, wo sie auch blieben. Für die ganze Besuchsdauer. Schlaue Katzen. Übrigens gibt es andere Kinder, die bei uns glückselig den ganzen Tag mit einer fetten grauen Kuschelkatze auf dem Arm herumschleppen können, der Ton macht halt die Musik.

Aber eigentlich darf ich ja gar nichts sagen. Solange meine Eierstöcke künstlicher Kontrolle meinerseits unterliegen, bin ich zu einer Meinung nicht qualifiziert. Von meinen schönen Steuern werden Erziehungsurlaube finanziert und Kindergeld gezahlt, doch solange ich nicht mit beiden Händen in vollgeschissene Windeln greife, kann man getrost ignorieren, was ich über eventuell missratene Erziehungsversuche von mir gebe 😉 Ganz einfache Formel, Muttertier - pardon, Mutterglück - geht taktisch klar als Sieger hervor. Und einige (bitte nicht missverstehen, es sind nicht alle gemeint, sondern wie immer gewisse Einzelfälle!) dieser Mütter sind auch verdammt schlaue Biester. Während Kind Nummer (1) ein Verhütungsfehler zu einem günstigen Zeitpunkt (Mobbing im Job, 30. Geburtstag, drohende Scheidung) ist und komplett überraschend eintrifft, hat Kind (2) die Güte, sich superpünktlich vor Ende des Erziehungsurlaubs anzumelden. Kommt Kind (1) dann ins schulfähige Alter, muss man sich etwas ausdenken, das Fahrtzeiten und Betreuung erfordert (Schule weit weg? Ballettkurs?) Aber was tut man nicht alles. Sogar aufhören zu arbeiten, um den Schulbus zu ergänzen. Wenn es denn unbedingt sein muss. Wenn sie dann wenigstens glücklich wären, da zuhause, ungestört und “die eigene Chefin”. Aber nein, das ist es ja auch nicht, dann ist man wieder neidisch auf Leute, die sich für Erfolg, Unabhängigkeit und finanzielle Freiheit entschieden haben. Wobei es mit unseren miesen und vorurteilsbelasteten Betreuungssystemen zusammenhängt, dass man sich überhaupt entscheiden MUSS, andere Länder haben da viel erträglichere Sitten. Ich würd gerne mal eine glückliche und relativ entspannte Mutter mit sich normal benehmenden Kindern sehen, aber eine, mit deren Beruf und Zeiteinteilung ich persönlich (ich, nur ich *g*) es aushalten könnte. Gut, das ist egoistische Neugier von mir - ist aber auch noch nie befriedigt worden, diese Neugier. Wahrscheinlich ist das genau der Punkt, bei dem man nicht mitreden kann, bevor man in der Situation ist. Aber welche Blagen ich erträglich finde, das kann ich sehr wohl beurteilen 😉

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