Halb Eins

Nach Mitternacht. Weit nach Mitternacht. Oliver ist noch unterwegs, und ich weiß, dass er sich bei strömendem Regen über die Autobahn kämpft und werde ihn deshalb nicht wie eine hysterische Kuh per Handy nerven. Mich machen jene erwachsenen Damen rasend, die ungehemmt in zügelloses Kreischen und kleinmädchenhaftes Zähneklappern verfallen, wenn ihr “Schatzi” sich 8 Minuten verspätet ... und schon deswegen kann ich es mir selbst nur verkneifen, meinem Liebsten nun hinterher zu telefonieren.

Verkneife ich mir auch. Ich bin schon groß. Aber ich ärgere mich trotzdem über mich selbst. Denn wenn ich mir nicht vorgenommen hätte, mich auf keinen Fall so hysterisch und hirnverblödet aufzuführen, nicht mal ANSATZWEISE ... dann hätte ich ihm nicht so locker gesagt “Ach was, wegen mir brauchst du nicht schon gegen 20 Uhr zu Hause sein. Du siehst S. doch nicht so oft, dann besuch ihn doch auch richtig, wenn du ihn schon triffst.”

Autofahren im August ist ja nun auch normalerweise nicht das große Risiko, hm. Außer es regnet. Wahre Sturzbäche. Auf der Autobahn. Mitten in der Nacht.

Ach. Man darf nie darüber nachdenken, was einem geliebten Menschen alles passieren kann, sobald er das Haus verlässt. Sonst schlägt das Herz so hart und schwer, und doch könnte alles ängstliche Warten nichts ändern an den Dingen, die geschehen. Es belastet nur unnötig - und es belastet auch den anderen!! - wenn man sich in Angst hineinsteigert.

Denn Angst kann man immer noch genug haben, wenn wirklich etwas geschieht. Mir ist oft genug etwas passiert, ich weiß das. Aber die Unruhe bleibt. Und sie wird sich erst lösen, wenn zwei kleine plüschige Katzen aufgeregt wie junge Dackel hochhopsen und leise quietschend und aufgeregt schnüffelnd zur Tür rennen .... um dann sofort wieder zurück ins Zimmer zu kommen und sich lässig und scheinbar verschlafen hinzulegen, noch bevor sein Schlüssel sich im Schloss dreht.

Jetzt.
😊

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