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Da liegen sie, die Nasentropfen. Ich könnte ... « | » Nächste Woche werde ich unterwegs sein (nein, ...

Der Schnupfen ist weg. Dafür beunruhigen mich ...

Der Schnupfen ist weg. Dafür beunruhigen mich andere Dinge ein wenig. Die junge Heilpraktikerin, bei der ich meine Zehnerkarten für Ganzkörpermassagen kaufe, stand gestern völlig aufgeregt vor mir, als sie von der Schilddrüsen-Diagnose erfuhr. Alle Fachmenschen scheinen davon auszugehen, dass sich körperlich sehr viel verändern wird, wenn ich erst mal “repariert” bin. Ich weiß nicht, was ich davon halten soll. Selbstverständlich (?) habe ich vor ein paar Wochen eine unglaubliche Menge Klamotten entsorgt, weil ich davon ausgegangen bin, dass ich nicht wieder reinpassen werde: Obwohl ich nicht so sehr viel gegessen habe, ging das Gewicht nicht runter. Diät kommt nicht in Frage, denn man kann letzendlich doch nur wieder und viel mehr zunehmen, wenn man mit einem hohen Ausgangsgewicht stark kalorienreduziert zu essen anfängt: Während das Gewicht runtergeht und ein paar Monate danach fühlt man sich gut, dann geht es wieder hoch und zwar höher als zuvor. Chirurgische Eingriffe können das beeinflussen, aber das ist für mich indiskutabel. Und sonst? Einer von 200 Abnehmwilligen schafft es, dem Jojo wirklich auszuweichen, und das sind ausnahmslos Hochleistungssportler. So blöd bin ich nicht, dass ich mir einrede, zu sowas zu mutieren *g* also wozu Schränke voll zu kleiner Klamotten, wenn man sie mit schönen großen Sachen zuhängen kann?

Naja, das ist kein Problem, das Einkaufen habe ich nicht verlernt. Wir werden zwangsläufig sehen, ob die richtige Einstellerei der Schilddrüse wirklich einen Unterschied macht, darauf kann ich warten. Aber ich würge momentan ein wenig an den lieben Mitmenschen. Wenn ich erkläre, dass mein elend langer Elendszustand an der Schilddrüse liegt, darf ich mir eine Menge Dinge anhören. Mal abgesehen von denen, die unterschwellig spöttisch werden (das hätte jeder Dicke wohl gerne, eine so tolle Ausrede für die Fresserei ...), höre ich nun die ganze Zeit: “Das glaube ich gerne, Du bist ja auch gar keine typische DICKE!” Ach nein? Was bin ich dann? Eine Kleiderstange, auf die versehentlich Fettgewebe gehängt wurde? Als wäre ich ein Hündchen, das sich per Befehl auf die Hinterpfoten stellt, werde ich gelobt für “Du bist überhaupt nicht so träge” und “schließlich bist Du sehr gepflegt” und “soviel hast Du eigentlich auch nie gegessen”. Kein Wunder also, dass nicht unglaublicher Disziplinmangel schuld ist an meinem Gewicht, oder was soll das heißen? Eine Freundin, die ich seit 9 Jahren kenne, sagte zu mir wörtlich “Du bist die erste dicke Frau gewesen, bei der ich mir dachte, aha, so toll kann man als dicker Mensch also auch angezogen sein”. Ein Kompliment, das mir die Adern an den Handgelenken zusammenzieht.

Drehen wir das alles mal um, heißt das: Dicke Menschen - natürlich nur solche, die nicht so KRANK sind? - sind träge, ungepflegt, fressen sich voll und sind selbst schuld - und wenn eine/r mal anders und gepflegt auftritt, ist das die absolute Ausnahme. Davon geht man aus. Mal abgesehen davon, dass ich mich immer wieder frage, woher all diese Menschen so viel Zeit haben, sich über das Leben anderer Gedanken zu machen, kenne ich natürlich auch das eine oder andere Michellinmännchen/-mädchen, mit denen ich auch nicht gerade tauschen würde - aber nicht wegen dem Gewicht, sondern weil sie sich dermassen einen in die Backentaschen lügen, dass sie fast platzen. Die kenn ich aber auch in schlank, solche Leute kennt wohl jeder. Von wenigen bedauernswerten Ausnahmen abgesehen sind die molligeren Damen, mit denen ich zu tun hatte, stets gewaschen, gebügelt, gebildet und gut angezogen unterwegs. Es ist eine Frechheit, wie man in eine Schublade voll negativer Assoziationen gesteckt wird, nur weil man “mehr” drauf hat. Das ändert sich auch nicht, wenn einem alle beteuern, dass man löblicherweise in die Schublade gar nicht gesteckt werden dürfte, denn was sind schon Beteuerungen.

Sicher sind solche Ausführungen für manche hier Lesende wie ein Ausflug in eine fremde Welt.

Dabei müsste man nur mal im Alltag konsequent die Augen öffnen, um zu kapieren. Man nehme zum Beispiel den fettwanstigen Harry aus “BigBrother”. Er hat vom ersten Tag an sexuelle Anspielungen und dumme Zoten gemacht, aber all die süss-doofen Mädels in der Blechbüchse sind jetzt erst (!) so nach und nach bass erstaunt, dass er enttäuschenderweise kein väterlicher, asexueller Kuschelbär ist. Der Bauch macht ihn geschlechtsneutral? Wohl kaum. Der hat dieselben Triebe, Ansprüche, Wunschvorstellungen. Warum ist das so überraschend? Weil die Wampe dazwischen hängt und ihm ein gemütliches, gelassenes Aussehen verleiht, das man/frau nicht sexy findet, zumindest nicht in diesem Zeitalter. Wenn der schmierige Walter anhänglich und anzüglich wird, schockt das die Weibchen bei weitem nicht so, bei dem erwarten sie nichts anderes - aber bei Harry sind sie sogar noch irgendwie enttäuscht, dass er ein Mann ist und sich “auch” so benimmt. Der dicke Teddy halt, ein Kumpel nur - kein Mann. Wobei ich die Entwicklung der entsetzten Mädchengespräche nicht im Detail verfolgt habe, denn das ganze BB-Konzept wird durch die willkürliche Handhabung der Spielregeln wertlos. Eine fliegt raus, die darf dann einfach so wiederkommen - jeder haut ab, sobald der Schädel juckt ... und der Zirkus drum herum wird immer abstruser: Fast Food für die Ballermänner. Es ist nicht schön, was man sieht, wenn bei diesen eingesperrten Menschen die Fassaden bröckeln. Sie sind zu echt, die Dosenleute.

P.S.
Nur für den Fall, dass ich mich nicht deutlich genug ausgedrückt habe: Ich halte Menschen, die andere komplett nach ihrem Gewicht beurteilen - und auch nicht lernfähig sind auf diesem Gebiet - für nur unterdurchschnittlich intelligenzbegabt ;-)

Noch ein P.P.S.
Dasselbe passiert alten Menschen, die nicht mehr für voll genommen werden: Schrumpelig werden wir übrigens alle irgendwann. Bis auf die Dicken, die bleiben wesentlich länger glatt im Gesicht *g*

Mittwoch, 25. Oktober 2000 um 10:00 PM
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