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Mail, Mail, Mail. Hunderte von unbeantworteten Mails, ...


Mail, Mail, Mail. Hunderte von unbeantworteten Mails, lauter nette Leute, die auf eine Antwort warten und keine Chance in Sicht :-( Ausserdem werde ich mit Angeboten für Bannerwerbung und Linktausch zugeschüttet. Und es melden sich Verlage, die eine Veröffentlichung gegen Unkostenbeteiligung anbieten. Letzteres wiederum finde ich erstaunlich, gibt es wirklich Menschen, die solche Summen zahlen würden für einen unechten Erfolg? Ein Buch zu veröffentlichen ist doch nur dann ein Erfolg, wenn man es veröffentlicht und nicht, wenn man die Kosten dafür trägt. Ist doch klar, dass vor allem kleine Verlage einem stets bereitwillig Erfolgsaussichten signalisieren, wenn man gerne bereit ist, Geld in die Herstellung zu investieren.

Ausserdem könnte ich mich niemals über etwas freuen, das ich mir erkauft habe. Nein, ich muss die Beute selbst erlegen und darf sie nicht auf einem Serviertablett bekommen, wertlos, blutlos und entsaftet. Daher würde ich lieber ein Manuskript von hundertfünfzig Verlagen mit vernichtenden Kommentaren zurückerhalten, als mir den Druck auch nur eines Exemplares zu erkaufen und mir einzureden, das sei dasselbe. Voila.

Na gut, ich kann gut reden. Mehr als drei Wochen habe ich damals nicht gesucht. Vielleicht würde auch mir der Mut vergehen, wenn ich jahrelang….? Naja. Vielleicht. Aber es war eben nicht so. Annie hatte direkt einen Vertrag.

In dem Zusammenhang fällt mir immer ein alter Zwischenfall ein. Ein eher flüchtiger Bekannter hatte gemerkt, dass es viele Leute in meinem Bekanntenkreis gab, die gar nicht wussten, dass ich “gerade” ein Buch geschrieben hatte. Das kam daher, weil ich schon längst mit anderen Projekten beschäftigt war :-) aber er, er lobte mich wie ein braves kleines Mädchen, dass ich so bescheiden war. Ist das nicht gruselig, da wird man wohlwollend betrachtet, weil man seinen Erfolg anscheinend nicht geniesst - ist doch irgendwie pervers, oder? Schade, wenn solche Leute Töchter haben. Schade, wenn man Frauen dafür lobt, unscheinbar, zurückhaltend und bescheiden zu sein, während man bei Männern schmunzelnd über grossartiges Getue und dick aufgetragenes Eigenlob hinwegsieht. Natürlich ist es ein geiles Gefühl, ein Manuskript verkauft zu haben, und wenn ich es stolz allen erzählt hätte, wäre das mein gutes Recht gewesen. Die Miesmacher, Stänkerer und NeiderInnen kommen schon von alleine :-)

Das ist allerdings nicht nur online so. Man kann es sich quasi sowieso nicht leisten, sich davon den Spass an irgendwas verderben zu lassen :-)

In diesem Sinne, ein schönes Weekend besonders den Powergirls aller Altersklassen da draussen.

Freitag, 22. Oktober 1999 um 10:00 PM
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