Der letzte Tag, das war dann doch ...


Der letzte Tag, das war dann doch ein seltsames Gefühl. Fast 9 Jahre lang habe ich in unterschiedlichen Abteilungen und Jobs in dieser grossen amerikanischen Firma gearbeitet und wieviele Leute ich doch kannte, kenne, das wurde mir erst klar, als die ganzen Antworten auf meine Abschiedsmail eintrudelten. Und ein paar haben direkt angerufen, weil ich sie vergessen hatte 😊 die Kollegen am Nachbarschreibtisch jedoch nicht. Ja, das war schon ein seltsames Gefühl und einige haben es geschafft, dass ich so einen merkwürdig verklumpten Hals bekommen habe. Nicht etwa, weil ich den Firmenlaptop abgeben musste, mein eigener gefällt mir sowieso besser 😉

Eine echte Chance auf Melodramatik hatte ich allerdings nicht, denn das Gespräch kam in meiner Noch-/Ex-Abteilung bereits wenige Stunden nach meiner Kündigung auf eine freie Mitarbeit. Und nach meiner Abschiedsmail kamen noch weitere interne Anfragen nach einer freien Zusammenarbeit, sogar eine als Autor, dabei habe ich immer gedacht, nie im Leben würde jemand in dieser Firma begreifen, dass ich auch schreibe und das gezielt einsetzen 😊)) Das hat mich natürlich sehr gefreut. Was ich damit mache, wird sich zeigen. Jetzt nehme ich mir erst einmal eine grosse Faustvoll Lebenszeit für mich, vor Vertragsende könnte ich dort sowieso nicht arbeiten.

Tja, so ist das. Und alle (naja fast alle) tun so, als würden sie es
a) eine ausgezeichnete und längst überfällige Idee finden, dass ich mich freistrampele und
b) niemals selbst riskieren, soviel Sicherheit aufzugeben.
Dabei ist Sicherheit sowas von relativ. Ein Arbeitsvertrag ist keine Sicherheit. Ein gutes Gehalt ist keine Sicherheit. Das sind bestenfalls günstige Begleitumstände, die nur wenig hilfreich sind, wenn man von einem Unfall in den nächsten stolpert und jede freie Minute mit Überleben beschäftigt ist, das kann ich aus Erfahrung sagen. Und auch günstige Begleitumstände können nur eine gewissen Zeit vorhalten, wenn man sich danach sehnt, ganz andere Dinge zu tun. Und sowas kann sich natürlich auch entwickeln und weiterentwickeln ... ich muss es eigentlich nicht erklären, ich bin sicher, eigentlich weiss jeder, was ich meine.

Was das vorsichtige Leben angeht, so habe ich ohnehin meine eigenen Beobachtungen angestellt. Mir kommt es so vor, als wären die interessanteren und lebendigeren Gesprächspartner bis ins höchste Alter durchgehend die, die nicht immer auf grösstmögliche Sicherheit spielen 😉 sondern einfach so leben, wie sie es sich wünschen, auch wenn das nicht immer so einfach ist. Und es gibt auch erstaunlich viele Leute mit einem unglaublich geregelten und stolperfreien Leben, die sich in schwersten Depressionen wälzen. So simpel kann die Formel also nicht sein. Ich hab allerdings noch nie viel mit Mathematik am Hut gehabt 😉 und es interessiert mich auch nicht weiter, ich kann ja doch nur mein eigenes Leben leben.

Vor ungefähr 15 Jahren habe ich mein Heimatkaff verlassen, weil es dort für mich wohl nur die Möglichkeit gegeben hätte, in die Firma meines Vaters einzusteigen oder sechstausend Bewerbungen zu schreiben, um einen schlechtbezahlten Tussi-Job abzustauben. Nichts gegen Väter und Firmen, aber mich in eine lebenslange Abhängigkeit und Dankbarkeit begeben (um dann einen Job zu haben, von dem ich nie wirklich viel verstehen würde, das sollte ich wohl ergänzend hinzufügen, ich bin sicherlich kein Klimatechniker… die hätten mit mir als Inhaberin extra Leute zu meiner Betreuung einstellen müssen, sozusagen *g*) das kam nie in Frage. Vielleicht klappt das bei anderen, ich weiss es nicht, ich kenne niemanden, der in ein Familienunternehmen eingestiegen UND richtig glücklich damit ist. Nun kenn ich ja auch nicht alle 😉 also wer weiss.

Was mich angeht: Ich habe heute morgen bis 8.30 Uhr geschlafen, statt um 5.45 Uhr aufzustehen. Es war herrlich. Vielleicht tu ich das morgen wieder. Der Rest wird sich zeigen.

Einen wunderschönen gutgelaunten Dienstag wünsch ich Euch 😉

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