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Ein Feuer, das ein Haus oder einen Teil davon vernichtet, dauert nur wenige Stunden. Aber es kostet Jahre.

Normalität ist etwas, das uns immer noch zu entgleiten droht in dieser Twilight Zone zwischen der Rückkehr in unsere Wohnung und der Verarbeitung des Traumas.

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Freitag, 06. Mai 2016

Stories for Nox 2

„Hey – guten Morgen!“ sagte der kleine schwarze Hund, aber nur mit den Augen. Er konnte sich voll drauf verlassen, dass sein feuchtbrauner Blick ausreichte, warum also Geräusche machen?

Sobald die Frau näher kam, fiel er vorsichtshalber schon mal um und stellte sich erwartungsvoll auf ihre Handbewegungen ein: Sie streckte die Hand nach ihm aus und der kleine Rücken bebte schon in zwei Metern Entfernung, die Pfoten zuckten und er wälzte sich, um das Bäuchlein besser zu präsentieren.

Die Frau war sehr zufrieden mit dem Fernstreicheln und den synchronen Bewegungen ihrer Finger und seiner Pfötchen, wollte dann aber doch lieber einen Arm voll Hund. Der schwarze warme Rücken passte genau von Ellbogen bis mit Fell gefüllter Handfläche und die Sonne stresste nur ein ganz klein wenig herum, weil eine Treppe höher schon die Arbeit wartete. Deswegen entnahm sie sich noch schnell fünf Minuten aus ihrem Tag, um die Finger zart unter den haarigen Rippenbogen zu schieben – es war nämlich ihre Spezialität, die Stellen zu finden, die andere vergaßen.

Als er zufrieden seufzend unter ihren Fingern entspannte und die Augen kaum noch offen halten konnte, weil sie so warm und weich war und ihn so schön an den Rippchen krabbelte … schleckte er auffordernd in ihre Richtung, weil er eine Geschichte wollte.

Sie überlegte kurz, denn bei jeder Geschichte, die man einem Hundebaby erzählt, sind der Anfang und das Ende sehr wichtig. Der Rest nicht so. Man kann sogar einfach nur den ersten Satz sagen und alles andere später, Hundekinder träumen sich dann einfach die Zwischenräume.

Ein guter erster Satz muss es sein, der Versprechungen enthält und Möglichkeiten eröffnet. Die Sprache wiederum ist ganz egal, und so beugte sie sich vor und flüsterte dem kleinen schwarzen Hund ins Ohr: “I’ll protect you from the hooded claw.”

# 06. Mai 2016 um 06:40 AM
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Stories for Nox

Es war einmal ein kleiner schwarzer Hund mit dicken Zotteln, einem kompakten Rücken und rundem Po, der war mit weitem Abstand der beste Hund in dem Haus, in dem er lebte. Wenn er wollte, konnte er mit allen vier Pfoten gleichzeitig in die Luft springen, er war aber auch sehr begabt im Ganzkörperwedeln, fiel um wie kein zweiter und hatte die beste feuchte Nase von allen, die dort wohnten.

Eines regnerischen Tages, es ist noch nicht sehr lange her, da kam eine Frau und drehte ihn einfach um. Da lag er dann mit dem Bauch nach oben in ihrem Arm und dachte sich „Die will doch was. Die küsse ich jetzt einfach mal.“ Das war aber ein Missverständnis. Sie wollte seine haarige Brust kraulen, mit dem Finger unter dem Rippenbogen langschmeicheln und die spacken Schenkelchen zwacken – Zungenküsse wollte sie nicht. Der kleine Hund, entspannt und schwer in ihrem Arm, fragte nach, ob er dann wenigstens eine Geschichte bekommen konnte.

Das ging. Und sie erzählte ihm von einem kleinen schwarzen Hund mit zotteligem Haar, der sein Haus gegen Mäuse, Trolle und die Zahnfee schützte und seinen Menschen dabei half, mal wieder richtig schnell zu rennen und die komischen Quietschgeräusche wiederzufinden, die sich in ihrem Entzückungsbereich schon so lange verkeilt hatten, dass sie sie kaum noch kannten. Der kleine schwarze Hund unterstützte seine Mitbewohner auch beim Bücktraining, beim Lieben von zotteligen Zottelwesen und bei Fingerübungen im krausen Bauchfell. Auch sonst war er ein nützlicher Hund, der einen sehr guten Job machte. Die Zahnfee jedenfalls hatte schon lange keiner mehr gesehen.

Der Hund fand die Geschichte ganz gut, hatte dann aber Hunger.

# 06. Mai 2016 um 06:37 AM
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Donnerstag, 31. Dezember 2015

Der Fragebogen.

Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen. Und mir gleich eine “Stalkerin” eingetreten, die mein Umfeld nach “Fortschritten” befragt. Die Fetischisten der letzten Jahrzehnte hatten mir eigentlich gereicht.

Haare länger oder kürzer?
Etwa gleich.

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?
Etwa gleich. Außer im übertragenen Sinne, ich bin deutlich weniger merkbefreit in Bezug auf Menschen, die mir nicht guttun.

Mehr ausgegeben oder weniger?
Ich weiß es nicht.

Der hirnrissigste Plan?
Wenn sie hirnrissig wären, wären sie ja nicht meine Pläne. Fragt doch nächstes Jahr mal nach instinktgesteuerten Handlungen.

Die gefährlichste Unternehmung?
Puh. An vieles gewöhnt man sich ja, das für andere der Oberhammer wäre, wenn man jahrzehntelang tief über Katastrophengebiete fliegt.

Der beste Sex?
Im Jahr? Keine Ahnung. Ungestörter.

Die teuerste Anschaffung?
Einmal komplett neue Garderobe. Örks.

Das leckerste Essen?
Vietnamesisch, italienisch, selbst gekocht ...

Das beeindruckenste Buch?
Puh. Ich habe sehr viele gelesen. Ich mochte Septimus Heap, ich liebe Jane Yellowrock, ich genoss Charley Davidson und gerade lese ich Dead Witch Walking. Alles von Laini Taylor und Ilona Andrews, alles von Nina Kiriki Hoffman, alles von Anne Bishop, C.E. Murphy und ....

Der ergreifendste Film?
Hm ... Ergreifend ist nicht meine Richtung. Gilt “Guardians of the Galaxy” oder war das noch ein Jahr vorher?

Die beste CD?
Die Maulina-Trilogie (fürs Kind, ich habe keine CD gekauft)

Das schönste Konzert?
Eine klare helle kleine Stimme, die Weihnachtslieder sang den ganzen Advent über.

Die meiste Zeit verbracht mit…?
Arbeit, Familie, Schlaf, dicht gefolgt von Freunden und Lesen.

Die schönste Zeit verbracht mit…?
Mein Rudel, Freunde.

Vorherrschendes Gefühl 2015?
Here we go again.

2015 zum ersten Mal getan?
Einem Mieter gekündigt. Flüchtlingshilfe. Freiwillig und bewusst in einen Verein eingetreten, obwohl es auch anders gegangen wäre.

2015 nach langer Zeit wieder getan?
Ehrenamtlich mit Kindern gearbeitet.

3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen?
Das waren mehr als drei.

Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte?
Das kommt alles erst 2016 :-)

Das schönste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe?
Freundschaft. Mal kam sie an. Mal wurde sie weggerotzt. Ganz wie im echten Leben.

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?
Freundschaft.

Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat?
Ich liebe dich.

Der schönste Satz, den ich zu jemandem gesagt habe?
Ich liebe dich.

2015 war mit 1 Wort…?
Ausbaufähig.

 

# 31. Dezember 2015 um 05:01 PM
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Mittwoch, 02. September 2015

Mittwochs im Düsseldorf

Noch nicht halb 11 und ich habe schon zweimal gegen den Planeten gewonnen.

Einmal, als der zweifellos schwer unterbezahlte Pförtner mir erzählte, wie schlimm “diese Menschen” sich aufführen. Und ich ihm sagte: “Das stimmt. Aber in zwanzig Jahren sind wir alt und treffen die immer noch. Dann sind wir froh über jeden Einzelnen, dem wir gezeigt haben, dass es auch anders geht. Wir sind die einzige Möglichkeit, diesen Kindern zu zeigen, dass es nicht immer so sein muss.”

Ich sah den Cent langsam abwärts kullern, als er sich zu mir umdrehte und nachdenklich sagte: “Das stimmt.”

Weil ich das nie erwartet hätte, musste ich schnell raus und draußen heulen.

Mein zweiter Sieg fand gegen König Löwenherz statt. Er ist mit Abstand das schlimmste Kind und daran gewöhnt, am Schlafittchen gepackt und weggeschickt zu werden, weil er frech und renitent ist und lügt und Randale macht und und und. Jeder kennt ihn. Wir haben ihn auch schon eingedampft.

Aber als er dann heute morgen behauptete, er hätte einen Schulplatz (und ich wusste ja schon, dass es nicht stimmt), habe ich beschlossen: Den liebe ich jetzt nieder.

Und habe ihm gezeigt, dass ich ihn ernst nehme. Die Leiterin angerufen und zurückgefragt. Nachmittags um Drei könne er kommen.

Das habe ich ihm dann auch erklärt. Und ihn gefragt, ob er schon wüsste, dass er den gleichen Vornamen hat (zumindest gesprochen) wie ein berühmter englischer König? Ein starker, stolzer Mann, der seinen Freunden im Krieg immer geholfen hat.

Dann taufte ich ihn Löwenherz und sah zum ersten Mal kein wütendes Grollen, sondern ein erstauntes, weit offenes Kindergesicht, als wir von ihm weggingen.

Und überlege jetzt, wer mir bis heute Nachmittag mal drei Sätze Bosnisch übersetzen kann. Naja, oder fünfzehn.

*

Nie in meinem Leben habe ich so viel Dreck und Kleister in Wohnräumen gesehen, noch niemals eine so schlimme Küche.

Ich will nicht lügen, irgendwie haben würdevolle syrische Akademiker mir am besten gefallen bei den Berichten über die Flüchtlinge (wer hier keine Spuren von Ironie entdeckt, möge seine Kommentare bitte behalten).

Und vor den Roma hatte ich Angst, weil, egal weil, Erfahrungen eben.

Es dauerte 22 Sekunden. Zwanzig Sekunden, bis wir von den Kindern umringt waren und zwei, um den mördergroßen Kloß im Hals herunterzuschlucken und zu erkennen:

Verdammt. Was für ein Geschenk, an einem Ort helfen zu können, an dem man so dringend gebraucht wird.

# 02. September 2015 um 08:36 AM
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Freitag, 28. August 2015

Es gibt da einen Haken. Jetzt.

Der Mann ist immer wieder schockiert, wenn ich mir weiße Tesa-Powerstrip Wandhaken nachkaufe.

Nicht, weil es so viele sind.

Sondern weil ich mir angewöhnt habe, mir dort einen Haken zu machen, wo er fehlt und ich ihn aber brauche und ein Haken meinen Komfort so deutlich erhöht, dass die 50 Cent sich lohnen:

Krankenhausbadezimmer, Hotelbäder, Umkleidekabinen bei größeren Aktivitäten, schlecht ausgestattete Toiletten und so weiter.

Keine Sorge, ich mach sie dann auch wieder ab. Naja. Nicht in Krankenhauszimmern und Toiletten, wenn sie wirklich fehlten.

Zum Glück haben auch nicht mehr so viele Einrichtungen Wände mit Fliesen in Bahama-Beige, so dass ich mich auf Weiß beschränken kann.

# 28. August 2015 um 08:52 AM
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