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Unsere kleine Farm hat sich beruhigt. « | » Das üben wir aber noch mal.

Darf mitgenommen werden

Freunde von uns haben einen Garten zwischen mehreren Äckern in der Nähe des Rheins. Sie haben sich angewöhnt, in der Erntezeit eine Holzkiste mit Obst und Gemüse an den Zaun zu stellen, damit Spaziergänger zwischen den Feldern sich bedienen können. Eigentlich nicht als psychologisches Rate- und Zuschau-Spielchen, sondern durchaus mit einem aussagekräftigen Hinweisschild: Darf mitgenommen werden.

Einige bleiben staunend davor stehen. Trauen sich kaum, eine Handvoll Äpfel herauszunehmen und freuen sich sichtlich darüber, etwas geschenkt zu bekommen. Andere wagen es nicht, schauen aber immer wieder zurück zur Kiste, wenn sie dann weiterschlendern. Manche bedanken sich für die nette Idee, obwohl sie nur eine einzelne Frucht für unterwegs mitnehmen möchten, andere machen sich schnell stumm davon, wenn sie merken: Da guckt jemand zu.

Ist die Kiste leer, tauchen Leute auf, die darauf warten, sich wieder bedienen zu können und denen man förmlich anmerkt, dass sie eine Erwartungshaltung haben - fast schon eine Forderung. Natürlich gibt es auch welche, die den ganzen Inhalt mitnehmen, egal wie viel gerade da ist. Manchmal sogar alles und die schwere Holzkiste gleich mit.

Ich habe unsere Freunde nicht gefragt, was sie dann davon halten. Sie finden es einerseits ganz normal, den Überschuss aus dem Garten zu verschenken und andererseits spannend, wie ‘Großstadtmenschen’ auf ihre Mitnehmkiste reagieren.

Aber auch ohne zu fragen gehe ich davon aus, dass sie den Spaß daran verlieren würden, wenn jeden Tag jemand käme und alles Obst samt Kiste kommentar- und danklos einsacken würde.

Samstag, 05. November 2005 um 09:00 PM
das lebenLinkE-MailDrucken

Der Umgang mit Schenken und Geschenktem ist überall interessant. Im Angesicht des Kostenlosen rastet der gesunde Menschenverstand (sofern überhaupt vorhanden) gerne mal aus, und das Maß entschwindet - gut zu beobachten auch bei kalten Buffets.

Thomas J.  am  06. November 2005

Nachbarn von uns haben einen riesigen Kirschbaum, die Kinder dürfen die Kirschen ernten und auf eigene Rechnung verkaufen. Sehr lecker, wenn man auf dem Heimweg ein Kilo Süßkirschen garantiert ohne Chemie für 3 EUR mitnehmen kann.
Wäre vielleicht in Form einer Schutzgebühr angebracht, wenn sie sich mal ärgern.

VolkerK  am  07. November 2005

Eine sehr schöne Parabel.

 

Sigi  am  07. November 2005

das erinnert mich an die blumen zum selberpflücken. viele bauern bei uns daheim (in by) haben entnervt wieder aufgegeben, weil zu viele im vorbeigehen die geldtönnchen aufbrachen oder blumen mitnahmen, ohne dafür zu bezahlen…

limone  am  07. November 2005
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