Unterwegs mit Brot

Mit einem frischen Roggenbrot ist nicht wirklich gut reisen. Erst trug ich es vor mir her, dann rutschte es unter meinem Arm herum. Später beobachteten mehrere ältere Damen in der Straßenbahn interessiert bis entgeistert, wie ich es ergebnislos durch meinen Muff stopfen wollte… und ich erntete rundum begeistertes Grinsen, als ich es einfach lässig in meine Manteltasche rutschen ließ.

Schon mal ein ganzes Brot im Mantel gehabt? Stehend in der Bahn kein Problem, beim Laufen schlägt es dann auf den Oberschenkel und sieht obendrein tiefelegant aus, nämlich gar nicht. Also wieder vor mir hergetragen beim Umsteigen, dann in der Bahn einen jungen Mann getroffen, der mich und das Roggenbrot abwechselnd zärtlich betrachtete und sich schließlich eine Scheibe erbat.

Man könnte auch sagen, er brüllte sehr energisch und sabberte sich an der Kinderwagenkante fest, während seine kleinen Wurstfinger energisch an der Plastikverhüllung krallten. Ich fummelte also den Verschluss ab, entnahm eine Scheibe »ohne Knust bitte, das kann er noch nicht« und hatte fortan auch noch das Problem, dass die Tüte nicht mehr richtig zuging und ich also mit einem widerspenstig rutschigen Brot unterwegs war.

Aber gerochen hat es gut.

Jetzt, sicher gelandet, betrachte ich meine zerstochenen Hände und Armbeugen und freue mich, dass ich heute mit Hilfe der Klinik eine schwarze Wolke verscheuchen konnte, die hier seit ein paar Monaten herumhing und mich von guter Laune und dem echten Leben abhielt.

Yes Sire, I can boogie – und NEIN, ich habe kein Diabetes. Irgendwas muss ja auch mal gut ausgehen hier.