Zermetzelt

Gestern noch grinste ich über eine völlig aufgelöste Mami, die ihren Kinderwagen in Pantoffeln vor sich her schob, heute durfte ich dann selbst in Hausschuhen in die Öffentlichkeit hoppeln, knapp noch frisch geduscht in einem ungebügelten Kleid, Haare in der zusammengeknüllten Duschfrisur und ungeschminkt sowieso. Es war mir aber ausnahmsweise mal völlig egal, ob ich aussah wie aus einem ungeliebten Haushalt entflohen, ich wollte einfach nur zum Arzt und erfahren, ob die Bisswunde so nah an der Schlagader sitzt, wie es mir schien.

Die liebste knuffeligste und zärtlichste Katze der Welt hat sich mit aller Wucht ihrer nadelspitzen Zähnchen zielsicher an der Selbstmörderstelle in mein Handgelenk gebohrt und mich auch noch parallel von oben bis unten aufgeschlitzt. Es ist nicht ihre Schuld. Ich könnte wetten, wenn mich jemand mit einer Schermaschine bearbeiten würde und dann würde ein laut quäkender Kenzo spontan bekrallt auf meinen Rücken springen, die Schermaschine dabei erwischen und diese in eine Fellzwackmaschine verwandeln - ich wette, ich würde auch alles zerfleischen, was ich in dem Moment zu fassen kriege.

Da sie aber mich zu fassen kriegte, sehe ich jetzt endlich wie jemand aus, der sich ungezogene Raubtiere hält. Der eine Arm ist bis zum Ellbogen bandagiert, und dass ich darauf keine Lust habe, wird mir nicht helfen.

Jetzt gehe ich erst mal das kleine dicke Katzenmädchen trösten. Beruhigt mich, dass sie sich so prima wehren kann - Kenzo ist nämlich immer noch so, wie Kenzo von Anfang an war. Nur größer.