Zeit der Kalender

Nörgelte ich im Dezember noch, dass man ja gar nicht mehr damit rechnen könne, mit den Endjahresgrüßen die benötigten Kalender zB als Werbegeschenk zu erhalten, so sitze ich im Januar ein bisschen fassungslos in den Kalenderstapeln. Fünf brauche ich (erst mal), neun habe ich jetzt mindestens. Huch.

Fünf, weil: Ein genau richtig praktischer Wandkalender vom Tischler für den Platz am Kopierer, ein herrlicher Fotokalender von Creezy für die Wand im Büro, ein sehr genialer Tischkalender mit Cartoons aus The New Yorker von Liv (DANKE euch!), plus den Berühmte Frauen 2007, denn den habe ich mir selbst geholt, ebenso wie immer den kleinen Moleskine mit einem Wochenüberblick auf der Doppelseite. Das passt alles ganz prima.

Der kleine Kalender aus der Lieblingsapotheke hat eine dankbare Abnehmerin gefunden. Jetzt muss ich ggf. meinen Vater schonend informieren, dass ich tatsächlich 40 Jahre alt bin und nicht nur deswegen die beiden Kalender mit den Kätzchenbildern in die minderjährige weibliche Nachbarschaft umverteilen werde, weil es schade wäre, wenn sie bei mir ja doch nur in der Schublade liegen würden.

Sie sind sehr niedlich, aber irgendwie an mich sehr verschwendet, denn ich würde mir niedliche Babykätzchen auf Papier so wenig an die Wand pappen wie obszöne Großaufnahmen von Rennwagenmotoren oder Aktfotos von Volksmusikanten.

Über den mund- und fußgemalten Kunstkalender von Mama (nicht von ihr mit den Füssen gemalt, versteht sich) sag ich besser nichts. Ich würde gerne, aber es ist zu gefährlich. Das Internet vergisst nichts, habe ich gehört.

Es hat rund siebzehn Jahre, siebzehn Schals und siebzehn Paar Handschuhe gedauert, bis ich letztes Jahr (im Hochsommer) die Nerven hatte, meiner Mutter zu sagen, dass ich keine dicken Schals trage und geschlossene Handschuhe hasse wie die Pest. So sehr hasse, dass ich sie meistens ohne jeden Umweg direkt in den Altkleidercontainer gesteckt oder in der Fußgängerzone an den erstbesten Sitzbettler verschenkt habe (dieses Detail erwähnte ich nicht).

Bemerkenswert ist daran im Grunde nur, dass sie daraufhin höchstens drei Stunden lang beleidigt war, ich mich aber jedes Jahr furchtbar und sehr lange darüber geärgert hatte, dass ich mich nicht einfach pflichtbewusst ‘freuen’ konnte über die Sch…dinger. 

P.S. Auf der Verpackung des Tischkalenders von Liv sitzen zwei Hunde. Der eine sagt: »I had my own blog for a while, but I decided to go back to just pointless, incessant barking.«