Wer mich kannte, hat es gemerkt: Ich ...


Wer mich kannte, hat es gemerkt: Ich habe gestern “irgendeinen” Tagebucheintrag hier reingesetzt, um mir die Nachfragen zu ersparen. Andersherum fragen nun besorgt alle an, die das durchschaut haben. Ja nun gut, mir ging es beschissen, na und? Da bin ich kein Einzelfall, wenn ich mich so umschaue, umlese. Dabei kann ich noch dankbar sein (und bin ich auch) denn ich habe eine konkrete Angelegenheit als Gegner.

Manchmal quält man sich so lange mit einer Sache herum, dass man die ewigen besch…eidenen Kommentare der verehrten Mitmenschen schon langsam persönlich nimmt und selbst so weit ist, die “Schuld” anzunehmen. Eine frauentypische Sache - mein letzter Boss hatte eine Killer-Methode, ein Gespräch bei einer Problemsituation zu zerstören, indem er frau vorwarf, sie suche sich eine typische “Opfer-Rolle”. Hätte vielleicht bei jemandem geklappt, der wirklich oft in hierarchisch untergeordneten Lebenssituationen lebt, wie finanzielle Abhängigkeiten, dominante Elternbindung, keine herausragenden Qualifikationen zum Aufbau des Selbstbewusstseins etc. Wie gut solche Methoden klappen, könnt Ihr daran sehen, dass es sogar bei mir einmal geklappt hat, und ich bin verdammt noch mal kein typisches Opfer (höhö). Obwohl es sich definitiv um ein Ausweichen wegen nicht eingehaltener Zusagen handelte, rutschte ich kurz ab und überlegte, ob ich elend am Jammern gewesen war. Nö. Aber zu spät. Schneewittchen sollte den giftigen Apfel in den Rachen der Zwerge schieben, statt ihn zögerlich doch immer wieder zu nehmen, weil die kleinen Kerle es doch so selbstverständlich finden ;-)

OK, das könnt Ihr nicht verstehen. Es ist aus einer Geschichte, in der Schneewittchen irgendwann herausfand, dass es gar nicht die Stiefmama war, sondern die Zwerge, denen es nicht passte, dass dieses Mädchen sie so weit überragte ...

So sass ich also in diesem Häuschen, hörte mir tagtäglich gutgemeinte, aber trotzdem endlos nervtötende Ratschläge an zur Situation meiner Beine, denn: informieren kann ich mich bestens selbst, Ärzte und Heilpraktiker habe ich langsam durch und nach 6 Monaten anzunehmen, ich hätte nicht mal die grundsätzlichsten Dinge probiert, das grenzt an eine Beleidigung. Langsam, ganz langsam schlich sich in mein Bewusstsein das Gefühl, dass ich vielleicht doch selbst SCHULD bin. Hätte mich ja nicht stechen lassen müssen, müsste ja nicht allergisch sein? Nein. Mehr so ein wie “wenn du nur wirklich wolltest, du würdest” und natürlich trotz aller Schonung auch “bei dem Gewicht muss man die Beine ja überlasten” (obwohl ich fit und munter unterwegs war bis zu der fatalen Entzündung). Also Entwässerung, Entzündungshemmung, Warten, Schonen.

Dann, per Knopfdruck - innerhalb von Minuten die Erleuchtung, endlich - eine Sendung über Lymphprobleme. Alle meine Symptome. Fotos, die aussahen wie mein Fuss. Beschreibungen ähnlicher Unfälle. Details über exakt dieselben Schmerzen. Ansichten in Großaufnahme von denselben Stellen. Die Idioten in den weißen Kitteln, die mir Entwässerung verschrieben haben, obwohl sogar ich als absoluter Laie weiss, dass das bei einem Lymphödem saugefährlich sein kann, weil das Eiweiss so in dem kranken Gewebe gestaut wird. Nur Fotos, die hatte ich nie gesehen.

Jetzt weiss ich es. Mein Feind heisst zumindest zum Teil Lymphödem. Trotz der Ärzte weiß ich das nun, aber keine Sorge, es waren nur ungefähr ein halbes Dutzend teuer ausgebildete Mediziner, kein Grund zur Sorge für die restliche Bevölkerung, Nasentropfen wird es immer noch rezeptfrei geben. Herzlichen Dank auch, dass ich monatlich so hohe Krankenkassengebühren zahlen darf, um doch nie “geholfen zu werden”, so wie es sein sollte.

Aber egal. Ich habe ein beginnendes Lymphödem, noch bildet sich alles zurück, wenn ich liege. Es ist nicht diese Sorte, die durch Krebs (Metastasen) im Gewebe entsteht, denn es ist eindeutig auf die schwere Infektion nach der allergischen Reaktion zurückzuführen. Klar ist das eine Eigendiagnose, na und? Falscher als bisher kann’s nicht mehr werden. Medikamente helfen nicht bzw. es gibt keine, die nachweislich wirklich helfen (Scheisse, und dafür habe ich drei Monate Cortison genommen und meine Darmumgebung mit Penicillin in Fasern zerlegt!).

Instinktiv habe ich bereits Lymphdrainagen gesucht und genommen, bei meinen Massage-Sessions (Zehnerkarten *breitgrins*), ich spürte sofort, dass es das Richtige war für diese Beine. Kompressionsbandagen? Komisch, auch da bin ich meinen Instinkten gefolgt. Schon vor Wochen habe ich mir eine Stützstrumpfhose besorgt und diese auf Kniestrumpflänge geschnitten (weil meine Beine fast 1,20 lang sind bis zur Hüfte und das machen normale Strumpfhosen nur seltenst mit). Inzwischen habe ich auch richtige Stützstrümpfe, aber eher zufällig als eine Folge dieses Selbstversuchs und nicht weil der Arzt mir dazu riet. Die dritte Empfehlung lautet angepasste Krankengymnastik - während ich mich nur vorsichtig bewegt habe, immer in der Angst, die Entzündung könnte zu stark durchblutet werden. Es muss auch vorsichtig sein, aber es muss sein und das wusste ich nicht!!! Der vierte Punkt ist Abnehmen, sehr lustig in Anbetracht der Nachwirkungen des Cortisons, ich könnte kotzen vor Wut, aber das will ja keiner wissen.

Ich habe ein paar Bilder eingelinkt, damit Ihr wisst, wovon ich rede. Sie stammen von dieser Seite hier, öffnen sich in neuen Browserfenstern. Klickt bitte nicht auf den Seitenlink, wenn Ihr keinen stabilen Magen habt :-( ich habe nur das ausgewählt, was einen netten kleinen Eindruck von meiner Situation vermittelt.

Füsse, die mir leider relativ bekannt in der Verformung vorkommen, auch wenn es längst nicht (mehr) soooo schlimm ist.
Die Beine. Nicht meine, glücklicherweise - aber so sahen sie im Januar/Februar fast aus. Bei mir war nur eine Stelle so schlimm “rosa” betroffen. Reichte auch.

Gut. Es ist normal, dass ich versuche, wenig zu laufen. Es ist normal und sogar richtig, dass ich die Beine straff gewickelt haben will. Es geht allen mit diesem Problem so, dass sie versuchen, nur noch ganz locker und leicht gekleidet zu sein, damit die Haut nicht berührt wird (ich stapele hier Bademäntel, seufz). Jetzt kann ich es zugeben. Es ist eine verdammte Quälerei. Aber sie hat einen NAMEN und das ist es, was zählt. Wenn ich meinen Daumen in mein Schienbein drücke und ein anderthalb Zentimeter dickes Loch erzeuge, ist das nicht “Wasser”, sondern das Ödem.

Willkommen Kampfgeist, alter Freund. Nicht die tägliche Sorte, mehr die Marke Doppelherz :-) Reich mir die Pfote, Kumpel. Ich weiss noch, wie wir zwei beiden Blut spuckend und nach Luft würgend um diesen verdammten See in Ratingen gelaufen sind, in diesen elenden Morgenstunden knapp vor der Dämmerung. Jeden Morgen. Immer wieder. Bis ich nicht mehr hingefallen bin, bis ich nicht mehr zwischendurch den rechten Schuh ausziehen musste, bis ich endlich einmal ganz um den See kam und das in fast derselben Zeit wie andere Läufer dort. Bis mein rechtes Bein mich wieder getragen hat, endlich (das war nach dem ersten Unfall in 1995, bei dem Amputationsgefahr des rechten Beins bestand, angeblich).

Mir war es völlig egal, ob irgendwelche joggenden Tanten mich dabei beobachtet haben, wenn ich stürzte - seit ich einmal zwei Stunden in einer Fußgängerunterführung gelegen habe, hilfos, mit dem Gesicht in dreckigem Eis, weiß ich sehr wohl, wie hilfsbereit die lieben Mitmenschen sind. Ich verstehe das, man weiss ja bei einem blutenden Menschen nie, ob er nicht doch bloss drogensüchtig ist. (Selbst habe ich es übrigens noch immer irgendwie geschafft, nachzusehen oder nachsehen zu lassen, Tel. 110).

Aber ich schweife schon wieder ab, heute ist irgendwie so ein Tag. Dieser Eintrag hier ist kein Pausenhäppchen, aber es wird auch eine ganze Weile vorhalten müssen, denn ich habe jetzt endlich etwas Konkretes für meine Gesundheit zu tun. Mein Kampfgeist ist erwacht. Und wenn Ihr dachtet, ich sei energiegeladen, dann könnt Ihr jetzt was erleben *g*

Gute Nacht :-)