Warten. Immer noch.

Der Tag klebt immer noch an mir, auch wenn es draußen zwischen den Häusern längst wieder kühl sein muss. Duschen hilft nichts, es ist die Enge unseres Übergangszimmers, die mir feuchtwarm den schmerzenden Rücken hochkribbelt und mich in Unruhe versetzt.

Die Mieter, freundschaftlich wie immer nach dem geplanten Auszugstermin befragt, versicherten diesmal fast übereinstimmend, dass sie im August im neuen Heim sein wollen. Da wir ihnen die Fristen auf zwei Monate gesenkt hatten, damit sie ihre Baustelle flexibel gestalten konnten, heißt das meiner Privatlogik nach, dass in den nächsten sechs Tagen und 47 Minuten die schriftliche Kündigung eingeht und wir endlich planen können. Wirklich wissen werden wir es aber erst, wenn es so weit ist, bis dahin tue ich meistens wenigstens so, als würde ich mich noch in Geduld üben. Das sind sehr, sehr nette Leute. Darum geht es aber nicht.

Die Enge nervt. Die Wärme nervt. Das Warten nervt. Das fehlende Zimmer nervt, das ich gerne jetzt sehr bald mal einrichten würde. Das fehlende Büro nervt. Das Bett nervt, dieses übergangsweise aufgestellte preiswerte schwedische Volksbett aus schwarzem Schnörkelmetall, das so weit verbreitet ist in bundesdeutschen Wohnräumen wie Schrankwände und Riesenfernseher und das ich wirklich, wirklich gerne gegen ein hohes schlichtes aus Holz tauschen möchte oder wenigstens erst mal altweiß streichen bitte.

Kenzo ist auch genervt, er hat angefangen, die Tapeten im Übergangszimmer zu killen. Das fehlte uns noch, sie sind schließlich schon neun Monate dran, da musste man wohl dringend was unternehmen. Nachdem Ari mir erzählte, dass offensichtlich ganz Bayern damit klarkommt, die Wohnungswände einfach nur anzumalen, erwäge ich ernsthaft, mich ebenfalls rundherum von Tapeten zu verabschieden. Kenzo beißt auch in alle Pflanzen, selbst in die vom Blumenhändler als katzensicher gekennzeichneten. Manchmal muss er dann spucken, aber er gibt nicht auf, und wenn er schäumt, dann schäumt er eben. Entweder kaufe ich also was sehr großes grünes Fleischfressendes oder wir müssen die Bepflanzung umplanen.

Trostpflaster sind weiterhin die Mieterkinder. Hagen, befragt nach seiner Clique im Kindergarten, berichtete davon, dass ein Mädchen namens Estefania immer die Mutter sein wolle, wenn sie »Vater, Mutter, Kind« spielen. Was er denn dann sei? ‘Meistens ein Tier’, meinte er und ließ mich grübelnd zurück. Erst aufwändige Recherchen vor Ort im Kindergarten (ich kann quasi rübergucken) ergaben, dass zu der Vater-Mutter-Kind-Familie offensichtlich auch mal ein Gepard gehört »oder ein Tiger ohne Streifen«. Das ist dann Hagen. Irgendwann wird er ein nettes junges Mädchen ganz furchtbar verwirren. Vielleicht auch glücklich machen, wer weiß das schon so lange im Voraus?