In den Wänden

Herr Schmidt hatte wenigstens genug Anstand, betreten zu Boden zu blicken, als der Malermeister uns zeigte, wo das Nikotin von Jahrzehnten und eine weitere Kaminversottung später nochmals durch die Wände suppen könnten, wenn wir Pech haben. Er lehnte an seinem früheren Wäschetrockner, der hinten im Flur gestanden hatte – dort, wo wir die Wand angeglichen, den Flur isoliert und um ein ganzes Stück verengt hatten. Der Ellenbogen mit der Bierhaltehand steckte folgerichtig ein ganzes Stück weit im Putz, aber das kann einen frischen Hausgeist in der Einarbeitungsphase offensichtlich nicht erschüttern.

Mit verhaltenem Stolz sagte er »Mein Leben lang habe ich geraucht wie ein Schlot und jeden Tag meine Bierchen getrunken und bin doch über achtzig Jahre alt geworden!« Mein nicht zu unterdrückendes verächtliches Schnauben landete leider beim Maler, der sofort verkündete, auf der Rechnung würde dann auch ein Vermerk stehen, dass man für Versottung und Versuppung dieser alten Wände keine Haftung übernehmen könne.

Auch Schmidtchen sah nicht so aus, als ob er sich eben mal überstreichen lassen würde, um dann spurlos zu verschwinden. Jede seiner Zigaretten der letzten fast vier Jahrzehnte steckte in der Wand, jedes Röcheln im Lüftungsschacht, der Fußboden musste durchtränkt gewesen sein von Alkohol und um die Kamine hatte er sich auch nicht gekümmert.

Was mich anging, so konnte er verdampfen. Wir hatten genug Erinnerungen an ihn, die wir so schnell nicht loswerden konnten.

»Wirst du jetzt hier bleiben?« fragte ich ihn lautlos in der Gewissheit, dass er mich hören würde. Er zuckte die Schultern und meinte »Sie ist noch hier.« Dann marschierte der Azubi des Malers durch ihn hindurch und Herr Schmidt zerbröselte mal wieder, ohne eine brauchbare Antwort zu geben auf eine Frage, die zu stellen ich keine Gelegenheit mehr hatte.