Vor den Ardennen

„Flatline“ sagt das Trimmrad. „Seriously? Wir könnten auch mal die Ardennen-Tour.“ Nicht nötig für mich, ich habe die Ardennen bereits alleine durchquert, ein Bein bandagiert von einer Brandwunde (die Jungs und ihr dämliches Kiffen in dieser Strohhütte am Strand nach dem Doors Festival).

Hinter und vor mir holländische Autos mit Wohnanhänger – näher kommt man dem Tod nicht beim regulären Autofahren als auf einem Gebirgspass in der Dämmerung mit dem Löwen. Das Trimmrad träumt von Bergen und ich von dem kleinen Peugeot Diesel: Niemals vorher und nachher hat ein männliches Wesen in meinem Leben ein gemeinsames Erlebnis so lange durchgehalten, ohne auch nur kühlende Flüssigkeiten zu benötigen. Nie wieder habe ich mich so sicher gefühlt wie schlafend neben dem kleinen Löwen unter portugiesischen und spanischen Sternen, so alleine wie man es als Frau denn abgesichert – weit entfernt von buchstäblich allem - hinkriegen konnte.

Außerdem waren wir bereits 20 Minuten auf dem Kilimandscharo, das TRad und ich,  jetzt geht es mir darum, Zeit zu machen. Dreißig Minuten insgesamt wie gestern sind einfach nicht genug, wenn ich danach den ganzen Tag im Hamsterrad sitze – Moment, ich hatte da gerade eine ergänzende Idee zu Treadmill-Desks und meinem Radfahrplatz.

Eine meiner liebsten Erinnerungen rund um den kleinen Löwen ist mein ehemaliger Chef Bernd G, der beruhigt zu mir sagte „Was für ein Glück, dass Sie sich den vorher angeschaut haben – stellen Sie sich mal vor, Sie wären über die Mitfahrzentrale einfach mit dem gefahren!“ So fünfzehn Minuten, bevor der zauberhafte Blondzottel auf dem Einrad mit Gitarre und ich in Richtung Salamanca losfuhren. Ich sag’s mal vorsichtig: So ganz leicht hat er es mit mir vermutlich nicht gehabt. Damals. Vor den Ardennen. Denn das war ja die Heimfahrt.