Von oben herab

Im dritten Stock entwickelt man eine gewisse Ruhe gegenüber Sturmklinglern an der Tür. Die ersten Wochen bin ich noch geflitzt, sobald es klingelte. Bis ich begriff, dass es sich in Windeseile unter allen Prospektausteilern, Brief- und Paketboten herumgesprochen hatte, dass jetzt jemand zuhause arbeitet in diesem Haus und man sich stets öffnen lassen kann. Es klingelt also, ich öffne die Tür und horche in den Flur. Ganz unten bollert die Tür auf, ich rufe “Hallo?“ und bekomme ein undefinierbares Schreigrunzen zur Antwort. Klingt es so, als hätte jemand von Werbebroschüren geblökt und die Eingangstür geht sofort darauf ein zweites Mal, lasse ich es auf sich beruhen.

Antwortet jedoch niemand, bin ich sehr schnell unten und schaue nach. Klingelt es einmal und ganz normal, gehe ich dem Paketboten mindestens ein Stockwerk entgegen, das mag ich, tut auch dem Bein gut. Dann gibt es aber noch die nervösen Sturmklingler, die vor unserer Tür unten auflaufen, kurz klingeln und nach satten 1-2 Sekunden ungeduldig werden, weil sie ja schon sooooo lange warten mussten und dann Kalingelkalöngelkaklöng mit hysterischem Rumgebimmele beginnen.

Das Geklönge verlangsamt mich ganz ungemein und verhindert irgendwie auch, dass ich “Hallo” rufe. Sobald das Deppengebömmel erklingt, die Glocke also zigfach ungeduldig angeschlagen wird, wo einmal gereicht hätte, schalte ich auf gemütlichste Zeitlupe um und lausche entspannt dem Genörgel und Geschimpfe des schlecht Erzogenen (es ist immer ein Mann), der bis ganz nach oben poltert. Ich öffne die Tür erst, wenn der Ork sich schon dagegenlehnt.

Dann lächele ich völlig teilnahmslos auf alles, was er außer Beschwerden über den dritten Stock noch so absondert und schaue auf das Eingabe-Pad mit Griffel, als hätte ich noch nie ein Paket erhalten ... es hilft schliesslich niemandem, wenn ich mich auch noch aufrege über Dinge, die weder ein Paketork noch ich ändern können. Meist gucken sie dann eher verwirrt.