Titellos.

Die Interessenten an unserer jetzigen Wohnung beschweren sich fast alle darüber, dass sie die Räume so schlecht beurteilen können, wenn noch unsere Sachen darin stehen. Sie hätten es nahezu als Selbstverständlichkeit empfunden, wenn ich angeboten hätte, mal eben den Hausrat von 9 Jahren in den Garten zu räumen, damit sie in Ruhe schauen können, da bin ich mir leider ziemlich sicher.

Zwei zogen eine schlechtgelaunte Fleppe, als wir erklärten, dass wir zwar schon vieles ausräumen, aber trotzdem erst zum 30.09. gekündigt haben. Der Hinweis, dass wir gerne gegen einen halben Monat Miete einen halben Monat Wohnung abtreten, wurde mit tatsächlich sehr großem Erstaunen quittiert. Man erwartet von uns, dass wir uns so schnell wie möglich verziehen, wenn man die Wohnung nehmen möchte, schon klar. Die Frage ist aber, ob ich schon wieder so freundlich und zuvorkommend sein muss, wenn ich dazu mal gar keine Lust habe. Hab ich nämlich neuerdings nicht mehr. Warum soll ich spontan drei Wochen Miete verschenken an völlig Fremde, die sich unangenehm verhalten?

Mit interessiertem Abstand beobachte ich unter den Interessenten eine ganz neue Art von Arschloch, die sich aber wohl schon länger gesellschaftlich etabliert, obwohl sie bisher bis auf eine Ausnahme an mir vorbeigegangen ist: Charmante und höfliche Spacken, die gerade so lange mit dir reden, wie es ihren konkreten Interessen dient, und deren Maske übergangslos abtropft, wenn sie sich mit anderen Dingen beschäftigen. Man hat es heutzutage eilig und konzentriert sich gerne auf das Wesentliche. Andere Menschen sind nur interessant, wenn sie gerade nützlich sind.

Mit potenziellen Nachmietern und deren Allüren hatte ich noch nie zu tun, aber es liegt nicht nur daran.