Stadtführung Potsdam

www.visit-potsdam.de: Am Montag genossen wir als Abschluss unserer Kurzreise eine ganz besondere Stadtführung:

Einen Stadtspaziergang durch Potsdam. Nicht irgendeinen, sondern nach eingehender Beratung durch die Stadtführerin Susanne K. Fienhold Sheen entschieden wir uns für eine Führung durch den Park von Sanssouci mit dem Titel »Von der ewigen Ruhe zur Lust am Leben« (Friedhof Bornstedt – Klausberg-Belvedere – Drachenhaus – Chinesisches Teehaus – Schloß Sanssouci – Historische Mühle – Orangerie – Krongut Bornstedt), siehe auch die verschiedenen anderen Routen auf der Homepage.

Verwunschener Schloßpark von Sanssouci
Oliver hat fotografiert und schreibt an einem Bericht (den ich dann hier mit einhänge), daher nehme ich nur ganz wenige seiner Fotos - und eigene hab ich nicht.

Wir begannen unseren Spaziergang mit dem Friedhof Bornstedt, was sich weit morbider anhört als es sich beim Durchwandern der Grabreihen dann anfühlt. Auf dem romantischen kleinen Friedhof wurden Beamte und Angestellte des Hofes begraben und auch der Landschaftsgestalter Peter Joseph Lenné, der so ab 1840 (oder später?) die Umgebung von Schloß Sanssouci »re-designed« hat, indem er den ordentlich aufgeräumten und durchstrukturieren barocken Park so weit es ihm gestattet wurde in eine lebendige Gartenlandschaft umgestaltete, die in großen Teilen wie zufällig gewachsen aussieht - dem Besucher tatsächlich aber unendlich viele sorgfältig geplante Details bietet.

Sicherlich hätte ich noch einen längeren Blick auf das Grab von Herrn Lenné geworfen, wenn ich schon gewusst hätte, wie sein Schloßgarten mich verzaubern würde. So aber faszinierte mich vor allem die Mischung aus ganz alten Gräbern von Hofbeamten und Adelsfamilien mit verrottenden Gittern und als Kontrast hierzu die relativ frischen Grabsteine, denn der Friedhof wird ja ganz normal genutzt. Durch eine kleine Pforte verliessen wir ihn dann, um über eine Wiese zu wandern, durch einen kleinen Wald, und standen plötzlich hinter der Orangerie mit Blick Richtung Belvedere, aber noch vor den Bögen. Wunderschön. Der klassische Moment für ein Touristenfoto und trotzdem ein Bild, das Oliver vermutlich ohne Aufforderung nicht aufgenommen hätte. Man sieht ja auch nichts, das man nicht von Postkarten kennt (nur weniger vorzeigbar, ich geb es zu).

Belvedere

Orangerie ist übrigens eine ziemliche Untertreibung für die 300 m lange Anlage, die eher wie ein eigenes Schloß wirkt und nicht wie ein Gewächshaus. Sie wird gerade renoviert und ich bin mir nicht sicher, ob ich sogar so etwas wie eine Bodenheizung oder ähnliches für das Überwintern der exotischen Pflanzen gesehen habe, erstaunen würde mich das nicht. Wir wanderten durch den Park zum Chinesischen Teehaus, folgten den verspielten Pfaden ebenso wie der einen oder anderen Hauptachse des Parks, ruhten an den Fontänen aus und stiegen dann über die Weinberge am Hang hoch zum Schloß. Von innen wollten wir es diesmal nicht sehen, sondern spazierten an der historischen Windmühle und diesem Menschen vorbei bis zum Eingang bzw. einem hübschen kleinen Café. Wir waren nicht auf der Jagd nach Jahreszahlen und historischen Fakten, sondern wollten den Park genießen und bekamen eine ganz neue Sicht auf die Anlage geschenkt, mit vielen Einblicken in die Zeit der Entstehung bzw. Umgestaltung durch Lenné (und Jahreszahlen und historische Fakten).

Der ‘geführte Spaziergang’ war so interessant wie entspannend. Wir sind anhaltend begeistert von Frau Fienhold Sheen, deren Begeisterung für ihren Beruf und diese wunderschöne Parkanlage mitreißend ist und die jede scheinbar noch so weit hergeholte Frage beantworten konnte. Beim nächsten Besuch in dieser Ecke hat sie uns wieder am Hals - vielen Dank nach Potsdam für einen unglaublich schönen und interessanten Nachmittag!

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Als wir die Stufen vor der seitlichen Pflanzenhalle der Orangerie herabstiegen, sah ich zum ersten Mal einen dieser Menschen mit seitlich aufgeklappten und in unsere Richtung geschwenkten Ohren, auf die wir auf unserem Weg durch den Schloßpark nun mehrmals treffen sollten: Spaziergänger und Touristen, die eine Hörprobe unserer fantastischen Führung erwischt hatten und nun gerne noch mehr mitbekommen hätten (sich aber nicht trauten, sich einfach dazu zu stellen) und unauffällig ein wenig den Schritt verlangsamten, um noch einen Happen mehr von unseren Gesprächen abzukriegen. Ein älterer Herr betrachtete uns sogar mit recht unverhohlenem Neid: Man konnte ihm deutlich ansehen, dass er noch gar nicht auf den schönen Gedanken gekommen war, sich eine individuelle Führung zu leisten und das vermutlich bald nachholen würde. Fehlte nur noch, dass er sich am Chinesischen Teehaus Notizen zu Susanne Fienhold Sheens Erläuterungen gemacht hätte, ich fand das sehr lustig.

Frau Fienhold Sheen führt natürlich nicht nur durch den Park, sondern durch ganz Potsdam - nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Englisch. Alle Details, Routen und Kontaktinformationen finden Interessierte auf der Website http://www.visit-potsdam.de.

chinesisches Teehaus