So drei- bis viermal in der Woche ...


So drei- bis viermal in der Woche kommt eine Mail mit dem Betreff “Frage an die Kollegin” oder “Frage von einem Autor” oder “Kontaktaufnahme unter Profis” hier an und darin adressiert jemand seine Wunschvorstellungen an mich. Anders kann man das langsam nicht mehr nennen, wenn die Leute nachfragen, wie man denn nun ein Buch schreibt. Seit den Möglichkeiten von Printing on Demand und meinem Experiment geht es natürlich nicht mehr um das Einsenden kostbarer Werke an Verlage. In dem Zusammenhang war die vorherrschende Angst nämlich immer die vor dem Diebstahl eines Manuskriptes.

Das ging so weit, dass Leute wirklich dachten, bereits ihr Expose würde unter fremdem Namen als internationaler Bestseller verscherbelt werden, wenn sie nicht unglaublich aufpassen würden. Für das Problem hatte ich leider auch keine Lösung. Ich hab meinen ersten Roman einfach eingetütet und mehrfach versandt und bekam dann von zwei Verlagen Anrufe und unterschrieb einen Vertrag. Irgendwas sagt mir, das wäre nicht passiert, wenn ich vor lauter Furcht vor Diebstahl nichts weggeschickt hätte. Kann natürlich auch daran gelegen haben, dass keine Gefahr eines Bestsellers bestand, ich wollte einfach wissen “geht das?” und es ging. Hm tja. Also gut.

Nein, inzwischen gibt es Books on Demand und Dienstleister wie Libri und es ist ganz einfach, ein Buch zu drucken. Und auch nicht teuer. Die mich anmailenden Leute sind überhaupt nicht informiert, aber das hindert sie nicht daran, unglaublich interessiert zu sein. Ich erkläre dann immer wieder, dass Printing on Demand eigentlich wie die Nutzung einer Druckerei ist. Weil fast alle denken, sie müssten ihre (wertvollsten) Rechte (auf der Welt und da war er wieder, der höchstwahrscheinliche Bestseller) abtreten wie an einen Verlag.

Und: Energisch wird von mir verlangt, sich mit der Qualität sämtlicher Anbieter auszukennen. Das ist dann sowieso eine Falle, denn wer das fragt, hat sich in der Regel bereits einen Dienstleister ausgeguckt und erwartet nun von mir die Bestätigung, dass dieser auch am besten ist. Jeder Einwand wie “dort zahlen Sie aber das Doppelte und die nutzen die gleichen Maschinen wie XYZ” wird mit einem souveränen “Ja aber ich habe von dem Freund einer Bekannten des Verwandten eines Nachbarn meines Cousins gehört, der habe in der Zeitung gelesen, dass ...” und gegen diese Art von Fachwissen ist nun mal nicht anzukommen.

Eigentlich ist gegen diese ganze Buch-Manie nicht anzukommen. Deswegen habe ich auch ein paar Standardantworten auf Lager, die trotzdem hilfreich sind. Tückisch wird es nur, wenn die Leute mich fragen, ob ich einen Selbstverlag empfehlen würde. Denen gefällt meine Antwort nämlich nicht.

Natürlich würde ich ein Book on Demand empfehlen: Als technisches Experiment, um mir den regelmässigen Gang zum Copyshop zu sparen (wie es bei meinen Kurzgeschichten zum Fall wurde), als Möglichkeit, ein vergriffenes Buch wieder zu verlegen oder wenn ich eine winzige, exakt abgezirkelte und mir persönlich bekannte Zielgruppe habe, für die andere Auflagen nicht lohnen. Dann ist es OK, denn es kostet nicht viel. Das Produkt kann sehr hübsch ausfallen und es ist genial, ein Druckwerk für 3 DM/Monat abrufbar zu halten, ohne die Rechte abtreten zu müssen.

Mein eigener Versuch ist gelungen: Das Buch gefällt mir, es werden ohne mein weiteres Zutun einige Hundert Exemplare im Jahr verkauft und meine technische Neugier wurde befriedigt. Ausserdem habe ich dabei einiges gelernt, das ich bei weiteren Projekten umsetzen konnte und die Kosten habe ich schon lange wieder reingeholt, obwohl die Gewinnspanne wirklich mini ist. Ich wollte halt keinen typischen Selbstverlagspreis als Verkaufspreis ansetzen. Und habe daher DM 12,90 genommen, denn mehr würde ich für eine Kurzgeschichtensammlung selbst auch nicht unbedingt zahlen.

Aber das ist das, was ich in diesem Spezialfall wollte. Die meisten Informationssuchenden wollen mehr: Ein “echtes” Buch auf ihrem Lebenslauf, das sich am besten auch noch reichlich verkauft (und viel viel Geld und Ruhm einbringt). Das mag zwar mit Book on Demand in Einzelfällen und insbesondere für Fach- und Sachbücher auch machbar sein, aber ich finde nicht, dass Selbstverlag einen Verlagsvertrag ersetzen kann. Natürlich sollte man es trotzdem versuchen, wenn man davon träumt. Man muss sich unbedingt für die Dinge einsetzen, die einem am Herzen liegen.

Aber man sollte sich dann halt auch bewusst machen, dass ein Buch nur jemand kaufen kann, der von dessen Existenz erfährt. Und Werbung kostet sehr, sehr viel mehr als die reine Herstellung. Der Markt ist mit Belletristik überflutet und die mangelnde inhaltliche Qualität vieler “BoDs” hat dafür gesorgt, dass diese von Buchhändlern und Redaktionen nicht weiter beachtet werden. Auch die guten nicht. So wie viele Verlagsredaktionen in unverlangt zugesandten Manuskripten ersticken.

Technisch sind Autoren einen Schritt weiter nach vorne gekommen durch das Internet, E-Books und Printing on Demand. Der klassische Traum vom Manuskript, das von einem echten Verlag aufgekauft und erfolgreich vertrieben wird, steht oder liegt irgendwie daneben herum. Und ich würde nun mal lügen, wenn ich Selbstverlag als Alternative empfehlen würde. Das wäre einfacher, aber nicht fair. Denn auch wenn die Herstellung so ab 600 bis 1.000 DM locker abzuwickeln ist und das im Vergleich zu anderen Druckmöglichkeiten preiswert ist, so muss dafür sicher so mancher auch sparen oder sich die Ausgabe zumindest vorher genau überlegen. Da kann ich nicht einfach hingehen und sagen, ja ja, wird schon werden, passt schon alles ganz toll.

Ich werde diesen Eintrag direkt im Erfahrungsbericht verlinken, den ich bei den Rückfragen immer als Information mit angebe. Denn ich weiß nie, was ich darauf antworten soll, wenn mir ein so begeisterter Autorenmensch schreibt, sein Manuskript sei aber eine Ausnahme und auch im Selbstverlag ganz easy zu vertreiben, da es was ganz Besonderes sei und auch richtig gut geschrieben, eine nagelneue Idee und so weiter. Man kommt sich vor, als würde man die Leute beleidigen, wenn man darauf hinweist, dass das wohl alle Autoren denken.

Je nachdem, worüber man schreibt und für wen, kann man ja auch recht erfolgreiche Bücher selbst verlegen. Nehme ich an. Mir geht’s ehrlich gesagt auch eher darum, nicht immer dieselben Diskuss… Antworten per Mail geben zu müssen.