Schokoladensucht

Eine Komödie oder Tragödie in drei Akten (nicht meine).

(1) ARZNEIMITTELPRÜFUNG
0,6 g (1 Gran) reiner belgischer Schokolade von höchster Qualität (ohne Aromastoffe) wurde mit 5,94 g (99 Gran) Milchzucker verrieben unter Einhaltung der in den Fußnoten von § 270 des Organon, 6. Aufl., ausgeführten Richtlinien.
0,6 g des C 3 Pulvers wurden anschließend in 3ml Wasser und 3 ml Alkohol aufgelöst und 45 Mal verschüttelt, um die C 4 zu erhalten. Die Potenzierung wurde in flüssiger Form mit separaten Glasröhrchen fortgesetzt, als Verdünnungsmittel wurde 90 prozentiger Alkohol verwendet, jeder Potenzschritt bekam 45 Schüttelschläge, entsprechend den Anweisungen Hahnemanns, bis die 200. Centesimalpotenz erreicht war.
[Quelle]


(2) PATIENTINNENTAGEBUCH CHOCOLATE C200
«Tiefsitzender Schmerz über dem rechten Auge.
Geruchssinn sehr empfindsam. Gehör schärfer, vor allem für tiefere Töne, die eine größere Resonanz haben.
Hatte das Bedürfnis, zugedeckt zu sein.
Mir fiel das Haar eines Mannes auf, und ich hatte intensives Verlangen, es zu berühren, Kontakt damit herzustellen.
Hörte ein Gespräch über Babies, bekam dabei Schmerzen in der Brust, mit dem Gefühl von einschießender Milch - schmerzhaftes Völlegefühl. Mir erschien ein Bild, in dem ich kleine, haarige Babies, manchmal Tiere, säugte, vor allem Igel.
Fühlte mich von dem Bart eines Mannes angezogen. Konnte sein Haar um den Mund spüren.
Kribbeln im Hals. Keine Lust zu schlucken, aber sehr hungrig.
Traum: Als ich aus dem Bahnhof komme, ist dort ein riesiger schwarzer Vogel von der Größe eines Hundes mit schwarzen, langen, weichen Federn, wie Straußenfedern, und einem sehr großen Schnabel. Er nahm meine linke Hand in den Schnabel. Zwei Zigeuner waren da, sie standen vor mir, öffneten ihre Hände, und ich sah, daß sie einen flachen Fisch aus goldenem Metall hielten, den ich als Figur zur Wahrsagerei ansah.»
Quelle


(2a) PATIENTINNENTAGEBUCH FAZIT
«Geheilte Symptome nach zwei Wochen:

Kopfhaut warm und juckend.
Juckreiz im Nacken.
Juckreiz in den Achselhöhlen.
Haut rauh und trocken.
Zahnfleischbluten beim Zähneputzen.
Schwaches Gedächtnis.
Schmerzen in den Gelenken der großen Zehen.
Lebhafte und lange Träume.
Verstand rast und springt von einem Thema zum andern.
Unwohlsein und Unbehagen mit Männern.
Katarrhalische Stauung im Kopf.
Katarrhalische Taubheit, gebessert, wenn die Ohren aufspringen.
Zusammenzucken durch plötzliche
Geräusche.
Denke, ich sei hungrig, wenn ich Durst habe.
Träume von Feuer.
Haut verbrennt leicht.
Reizbarkeit.
Verlangen nach Schokolade und Speiseeis.
Ängstlich vor der Begegnung mit Menschen.»


(3) CHOCOLATE C30, HOMÖOPATHISCHE GLOBULI

Gefunden, bestellt, erhalten. Achter Juli 2002. Es war gar nicht so einfach, dieses Mittelchen in dieser Potenz aufzutreiben, in Deutschland gab’s das nicht. Angeblich hilft es wunderbar gegen den Heißhunger auf Schokolade, korrigiere: Den unkontrollierten oder unkontrollierbaren Heißhunger auf Süßwaren, insbesondere Schokolade. PMS, sag ich nur.

Aber ... ob man es wirklich einnehmen sollte? Ich zitiere: «Verhalten, Gesicht und Ausdruck der Prüferin haben sich während der Prüfung radikal verändert. Ihre Nase zuckte und fühlte sich kalt an, der Haaransatz wirkte höher und breiter, und sie hielt die Hände wie ein kleines Tier, wenn es eine Nuß zwischen den Vorderpfoten hält.» Irgendwas ist sehr seltsam an dieser Arzneimittelprüfung.

Buchtipp des Tages: Complete Idiot’s Guide to Homeopathy. Kein weiterer Kommentar :-)