Schenke mit Geist ohne List

Das Telefon klingelt. Es klingelt auf der Leitung, deren Durchwahl ich nur bei Bestellungen angebe, ich bin also vorgewarnt. Melde mich freundlich und lausche aufgeschlossen den Dingen, die da nun durch die Leitung kommen können. Man könnte mich als vorbereitet bezeichnen.

Eine recht überschwängliche Hotline-Dame begrüßt mich mit der aufrichtigen Herzlichkeit einer lange vermissten Seelenverwandten und freut sich darüber, dass ich schon so lange Kundin beim XXXX-Verlag bin.

Ich: »Ich hab da letztes Jahr einmal was gekauft, ja, das stimmt wohl.«

Dame: »Ach, das ist ja schön, wir freuen uns auch sehr darüber.«
(Holt Luft und will richtig loslegen, aber ich unterbreche vorher.)

Ich: »Ist das hier ein Verkaufsgespräch?«

Dame: »Nein, wie kommen Sie denn darauf?«

Diese Lüge steht nun zwischen uns, das merkt sie wohl auch - also legt sie in Sachen Herzlichkeit gleich noch mal eins drauf.

Dame: »Wir haben ein Geschenk für Sie!«

Ich: »Will kein Geschenk.«

Dame: »?????«

Ich, sehr herzlich und aufrichtig und so: »Ich möchte bitte kein Geschenk und keinen nur noch diese Woche geltenden supertollen Rabatt oder so was und auch keine Prämie. Ich möchte einfach nur dann etwas bestellen, wenn ich etwas bestellen will und das dann auch kriegen. Sonst nichts.«

Dame: Stammelt Wirres über Geschenke und ob ich nicht wenigstens neugierig sei.

Ich, ganz lieb: »Nein, bin ich nicht. Ich möchte bitte kein Geschenk. Tschüs.«

Dame, fassungslos »Tschüs.«

Ich: Lege auf.

Geiz ist so ungeil. Gier auf Kostenloses ist so freudlos-doof. Ich spiel einfach nicht mehr mit.

(Schenke mit Geist ohne List: Ringelnatz-Zitat)