Samstag, 22. Juni

Was passiert, wenn man sich an einem Samstagmorgen gemütlich eine grüngraue Peelingmaske ins Gesicht schmiert, um tatkräftig an unwiderstehlicher Schönheit zu arbeiten? Richtig: Der Briefträger klingelt. Der Mann ist nicht zu erschüttern, so viel steht fest.

Der russischsingende Teil der werten Nachbarschaft hat gestern wieder kräftig an der Senkung des durchschnittlichen Mietpegels in dieser Ecke gearbeitet - mal schauen, wer schneller ist: Die Anwohner mit ihren Beschwerden oder diese Bande mit einer Schanklizenz. Normal ist das Singen und Saufen bis ins Morgengrauen hinein jedenfalls nicht, und irgendwann hört das auch mal auf, dass man halbwegs tolerant die Zähne zusammenbeisst, wenn noch ‘ne laute Party auf noch eine und noch eine folgt. Aber das kennen wir ja schon, genau diese Ballermann-Zweigstelle hatten wir vor zwei Jahren schon mal. Inzwischen plädieren die ersten Nachbarn dafür, den Hausmeister nicht zu verwarnen, sondern zu entsorgen. Also kündigen lassen, nicht was Ihr schon wieder denkt :-)

Wir haben uns übrigens noch nicht beschwert. Aber das schaffen die schon auch noch, da bin ich mir leider ziemlich sicher.

Heute morgen im Halbschlaf entdeckte ich entsetzt einen großen, in schwarzes Leder und ein seltsames T-Shirt gekleidetes Mann in meinem Schlafzimmer, der irgendwie im Schrank rumwühlte und musste erkennen: Ach ja, ich bin ja verheiratet - und das ist mein [Mann], der vielleicht einen kleinen Rückfall in eine mir bis dato unbekannte Hardrocker-Phase hat - ach nein, er fährt aufs [Hurricane-Festival] und die Karte hab ich ihm sogar selbst geschenkt ...

Also genussvolles und komplett ungestörtes Rumschlumpfen, bis er endlich wiederkommt. Ich könnte mal wieder eine Kurzgeschichte schreiben ... zu Ende schreiben vielmehr, denn angefangen habe ich schon mit dem Schreiben. An einem dieser heißen Tage, an dem alle Körpersäfte zusammenfließen und man sich am Liebsten gar nicht bewegen möchte. Außer rhythmisch.