Die Reihenfolge der Dinge

Unseren Herd habe ich verschenkt. Am Tag darauf mussten wir den Umzug um eine Woche verschieben. Die Küche ist schon ausgeräumt und steht als Kartongebirge in der Ecke des Wohnzimmers, die vor einigen Wochen noch die inzwischen ebenfalls verschenkte Couch beherbergte. Wir essen, was immer wir finden oder an der Ecke kaufen können und klettern über die Stapel, wenn wir Dinge suchen. Es ist ein bisschen wie Camping. Ich hasse Camping.

Gestern scheuchte die Maklerin vier Interessenten für die Wohnung durch, gleichzeitig. Drei Paare und eine einzelne Dame, also vier Interessenten gleich sieben Personen. Sie stolperten durch die Umzugskartons und an Katzen und aufgehängter Unterwäsche vorbei, ein Anblick, der mir wiederum erspart blieb, denn ich hatte den Termin vergessen und weilte unnützes Futter kaufend im Walmart. Meine Freundin und Nachbarin nutzte die Gelegenheit, beim Einlassen der Horde alle zu inspizieren und zu schauen, wer als neuer Nebenmieter in Frage kommt.

Sie sahen alle nett, sauber und freundlich aus, aber das tun Serienkiller anlässlich von Wohnungsbesichtigungen bestimmt auch. Das habe ich allerdings nicht gesagt, als ich mit unvernünftigen Einkäufen balancierend um die Ecke galoppierte und gerade noch zum Abschied allen versichern konnte, dass unser kleines 2-Zimmer-Haus wirklich sehr schön ist und dass man in der Waschküche Maschine und Trockner aufeinander stapeln kann, der Keller trocken ist und die Nachbarn total nett. Jetzt wollen sie es alle. Gut, dass ich darüber nicht entscheiden muss, mir reicht das vorhandene Chaos schon.

Der prüfende Blick in den Spiegel liefert immer noch keine grauen Haare, das kann sich aber in den nächsten drei Wochen noch schlagartig ändern, wenn Kenzo sich weiter als Umzugshelfer betätigt. Konsequentes Durchführen wissenschaftlicher Experimente brachte ihm wohl die Erkenntnis, dass man die interessantesten Reaktionen mit zerberstendem Porzellan und dem Verhauen von zarten kleinen Katzenmädchen erzielen kann. In der letzten Nacht haben wir sehr lange versucht, merkwürdige Geräusche aus dem Wohnzimmer zu ignorieren, die wir nicht identifizieren konnten.

Irgendwann kapitulierte Oliver und ging nachsehen: Scheinbar kann man nicht stillhalten, wenn man auf Luftpolsterfolie liegen will.