Phasenweise

Früher, wenn die gleichaltrigen in meiner Abschlussklasse über Verlobungen und Eigenheime sprachen, dachte ich mir immer: Da bin ich wohl in einer anderen Lebensphase. Später, wenn die Kolleginnen tagelang über den perfekten Zweitwagen für die Reihenhauskolonie beratschlagten, sagte ich nach meiner Meinung befragt höflich, dass ich da wohl gerade in einer anderen Phase sei (pleite und Single). Noch ein bisschen später knödelte ich ein kluges energisches Baby, während die gleichaltrigen Frauen ihre Kinder ins Abi jagten. Andere Phase, ganz klar. Und wie ich vor ein paar Tagen feststellte, kann ich das eigentlich immer sagen, wenn jemand sich über etwas unterhalten möchte, das mir gerade nicht behagt. Gemeinsam Start-up gründen? Andere Phase. Mal ausgehen, wenn die Gattin im Urlaub ist? Andere Phase, sorry. Lange drüber nachdenken, ob jemand mich zu dick findet? Vielleicht im nächsten Leben, danke. Hektische Hobbys ... andere Phase. Ich sehe mich um und alle scheinen auf irgendetwas ausgerichtet, das sie als Nächstes erreichen wollen und denke: Andere Phase. Ich will eigentlich mal durchatmen, es ein bisschen schön haben und dann noch schöner. Sinnvolle Dinge tun und großartige Menschen treffen und ein paar Termine weniger haben als in dieser Woche, aber wenn das gerade nicht geht, dann kombiniere ich eben die Treffen, die Termine und das Schöne und ob ich dann wohlverdiente Augenringe trage, interessiert mich dann wieder ... in einer anderen Phase.