Nip/Tuck (under your skin)

Zwei Schönheitschirurgen direkt an der Front, beide mit einem komplexen Privatleben und unterschiedlichem Ehrgeiz ausgestattet. Nichts gegen »Six Feet Under«, aber bei diesen Aufschneidern können die anderen makabren Serien sich erst mal einsargen. (Nip/Tuck, zurzeit jeden Dienstag auf Pro7.)

Die erste Folge (zufällig reingezappt) hat mich spontan begeistert. Den bösen der beiden Chirurgen kannte ich bisher als Dämon - aus Buffy? Oder aus Angel? Weiß nicht, aber er war und ist ein Diener der Finsternis und also richtig besetzt - und fand es mehr als genial, wie er sich ein Discountf*tzchen aus dem Nachtleben mitnahm und ihr am nächsten Morgen mit drei Handgriffen das Selbstbewusstsein zerlegte, als es gerade romantisch zu werden drohte. Großartig. Ein Griff unters Kinn, zwei prüfende Finger an den Augen entlang, kritische Blicke den Hals herunter und eine Hand am nichtexistenten Hüftspeck und schon war Blondie, die Ex-Königin der Nacht, vollständig und komplett am Ende und bereit, sich von Kopf bis Fuß operieren zu lassen.

Zwar vermisse ich schmerzlich die Originalstimmen der Schauspieler, die eigenmächtige Selbstbeschneidung von Junior gestern hat das aber vorübergehend wieder wettgemacht. Man sollte vielleicht nicht lachen, wenn andere Menschen sich mit nicht biologisch abbaubarem Plastik polstern lassen und sollte es eventuell gar als bitter ernstes Problem akzeptieren, wenn ihnen die eigene Nase so teuer ganz und gar nicht gefällt. Aber andererseits, vielleicht sollte man es doch nicht einfach so hinnehmen und ganz dringend mal drüber auflachen dürfen. Meinetwegen auch mit bitterem Unterton. Ich muss bei Nip/Tuck an Bibi denken, die bereits Mitte der 90er ihr ganzes Geld in später drum herum schwer entzündete Plastikbeutel zur Rippenbedeckung steckte und an Tanja mit dem langsam aufbröselnden Nasenknorpel und daran, dass überall in der Welt Menschen verhungern, während diese Komplett-Loser und Finalisten der Oberflächlichkeit ihr Selbstwertgefühl auch gegen teures Geld nicht in den Griff kriegen.

Statt einfach mal zu leben und nicht immerzu davon auszugehen, dass ihre eigene sterbliche Hülle von solch immenser Bedeutung ist.

Nip/Tuck also ist durchdrungen amerikanisch, sensationsgeil, zynisch, blutig, wird vielleicht gar nicht so spannend bleiben über viele Folgen … ist bisher aber grandios böse, bitterschwarz und genau das Richtige zu Zeiten von »Swan«. Dieses Swan hat mich wirklich verstört beim kurzen Reinschauen, denn die Frauen sahen am Ende so völlig nach getunter Hausfrau aus und ähnelten sich vor allem auf beklemmende Weise (Einheitsnasen gab es da wohl im Dutzend billiger). Gesund kann das nicht sein, psychologische Betreuung hin oder her.

Nip / Tuck also, für Aufschneider und Freizeitmetzger. Ich halte mir dabei ständig instinktiv die (operierte) Knubbelnase schützend fest und frage mich immer wieder, wie sich das jemand freiwillig antun kann. Verstehen werde ich es nie. Aber zuschauen erst mal gerne.