Im Eimer

Als ich merkte, dass Kind und Kinderfrau (das ist eine andere Person als das Kindermädchen) einen anderen blauen Eimer vom Spielplatz mitgebracht hatten, war meine Reaktion: Ach, unserer war zwar deutlich schöner - aber was soll’ s.

Dann fiel mir ein, wie seltsam andere Menschen oft sind. Sie besaufen sich in Rudeln, treffen Vereinbarungen für einheitliche Gartenzäune in Kleinstadtsiedlungen, heiraten den ersten Penis in ihrem näheren Bekanntenkreis oder lassen sich die Haare mit Säure in nudelartige Wellen legen, die dann langsam herunterwachsen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich alle Rituale rund um vertauschte Eimer korrekt einschätzen kann, liegt bei unter 20 Prozent.

Besser also, man geht auf Nummer Sicher.

Zufällig - und ich meine das sehr wörtlich - zufällig klemmt die Telefonnummer der Eimertauschermutter an unserer Magnetwand und ich habe angerufen, um mich für den vertauschten Plastikkübel zu entschuldigen, dessen Wert ich übrigens auf 80 Cent schätze. Unseren. (Der andere hat sicher etwa 50 Cent gekostet, keinesfalls mehr.) ABER ich weiß, dass es darum nicht geht, sondern viel zu oft im Leben ums Prinzip.

Drei Dinge stellten sich heraus: Es ist der Opa gewesen, der so viel eimerliche Nachlässigkeit bewiesen hatte - ich hatte auf den Vater getippt. Mütter wissen es einfach besser, als sich ganze Vormittag mit diplomatischen Fastverwicklungen um ein Nichtproblem zu versauen.

Obwohl die Dame sichtlich erleichtert klang, dass sich diese Sache nun klärte, versicherte sie, es sei ihr natürlich vollkommen egal, welcher Eimer. (Klar, sie haben ja jetzt den schöneren.)

Und drittens ist sie schon wieder schwanger und zieht jetzt sowieso bald weg, so dass die Chancen auf unseren Originaleimer und einen Rücktausch dramatisch sinken.

Ich horche in mich hinein, ob mich das stört. Sitzt da irgendwo ein Gruppenkuschler-Harmoniegen, ein inneres Schrebergärtnerle, das jetzt wider besseres Wissen theatralisch auftrumpft und insgeheim ein bisschen wütend ist, weil der blaue Eimer .... und so?

Fest steht, dass ich mich in den nächsten Jahren zwangsläufig noch mit viel dümmeren Angelegenheiten auseinandersetzen muss.

Das weiß ich, seit ich mal fast daneben stand, als ein Dreijähriger ein YuGiOh-Tauschbildchen gegessen hat, auf dem scheinbar ein unersetzliches Bild war. Diese mit den Flügeln schlagende und keifende Mutter des YuGiOh-Sammlerkinds hat sich unauslöschlich in meine Hirnhaut eingebrannt und hat dort ihren Platz neben der Mutter des unfehlbaren Teenagers, der blanker Hass aus den umnebelten Augen sprühte, als sie die Blödheiten ihres Dummdummgeschosses verteidigte.

Deswegen weiß ich ja, dass kein Anlass nichtig genug ist, um solchen Aussetzern nicht doch lieber von vornherein aus dem Weg zu gehen. Wohl wissend, dass man nicht allen ausweichen kann.

Noch ein Tipp: Wer sich mal richtig amüsieren und dabei ganz viel über Angriffstaktiken, psychologische Kriegsführung und Darwinismus im Alltag lernen will, erzählt in einer größeren gemischten Müttergruppe, dass Stillen beim heutigen Stand der Medizin doch eigentlich völlig überflüssig ist*.

*Das ist nicht meine Meinung, aber der schnellste Weg, einen nuklearen Minikrieg zu entfachen.