Haarig II

Frisuren sind ein gutes Thema, schon kringelt sich die Mailbox, bis es über den Rand splisst. Ebenso “Alterungsprozess”, aus mir komplett unerfindlichen Gründen scheinen davon so ziemlich alle betroffen zu sein, die auch nur eine Sekunde darüber nachdenken. Hm. Zwinker. Woher das wohl kommt. Alt sind immer die Anderen, auch das wird schnell ersichtlich und immer noch finde ich die Leute superwitzig, die einen Satz mit “ich bin ja noch jung” beginnen oder mit “wenn ich erst mal so alt bin” enden lassen. Aber das ist schon OK so, auch die nicht ganz so Lernfähigen werden schon noch begreifen, dass man nicht automatisch ab einem bestimmten Alter zu zerbröckeln beginnt und dass sie keinen echten Vorteil dadurch haben, mit Verspätung geboren worden zu sein.

Wirklich einen wichtigen Schritt “erwachsen geworden” fühlt man sich in der Phase, in der man begreift: Das hier ist keine großartige neue Woge, die uns in eine nie gekannte Zukunft voller Veränderungen und gewaltiger humanitärer Entwicklungen trägt und uns, eine Generation von Siegern, auf einer ganz frischen Brandung hochschwemmt. “Das hier”, es ist in allen wirklich wichtigen Dingen nur eine Wiederholung. Aber macht auch irgendwie nix, das muss nicht jeder so empfinden lernen (und ja, ich finde Philosophie immer noch zu öde, um darauf meine Zeit zu verwenden).

Was ich HIER nicht möchte, sind Themen, die mir wieder täglich eine überquellende Mailbox und einen hyperventilierenden Zugriffszähler einbringen. Ich hatte gerade einen sehr angenehmen virtuellen Zustand hier gefunden, ohne Druck von innen oder außen, und ich gedenke den beizubehalten. Eher weniger als mehr. Es ist nicht so easy, wie es sich liest.

Ich möchte: Lieber einfach unbefangen und gerne auch mal unüberlegt schreiben, als Zeit auf Planung und Wirkung zu verwenden und mir ein angestrengtes Stirnrunzeln einzufangen, damit meine Einträge auch hehren Ansprüchen genügen, denn ich les die so entstandenen Texte ja selbst auch nicht gern. Will auch mal die ganz normale gelegentliche Wut aus dem Bauch lassen können, ohne mich zu den Frustventilen hinabzubegeben, deren kompletter Lebensweg und Umgang mit den meisten Situationen sichtlich aus abgelassener Wut besteht. Politik bleibt außen vor, Religion im Detail (!) auch und: Wirklich private Dinge sind und bleiben wirklich private Dinge.

Möchte mit diesem Webdiary hier lieber zu den Tagebüchern gehören, in denen Gedanken oder ein Alltagserlebnis aufgegriffen werden und mehr oder weniger unterhaltsam vorgetragen ... als zu denen, die vom morgendlichen Statusbericht über den Zustand des Stuhlgangs bis hin zur allabendlichen Zahnpastafarbe von Schatzi ein unbarmherziges Protokoll des alltäglichen Grauens liefern und so verantworten, dass jeder für leicht bis schwer bekloppt gehalten wird, der online überhaupt Privates schreibt.

Am wenigsten möchte ich allerdings ständig darüber nachdenken müssen, nur weil andere das meinen für mich tun zu müssen.