Meine liebsten Unterhaltungen sind ja immer die auf Talkshow-Niveau, wenn irgendwas Rundschädeliges vor mir steht und mir augenrollend verkündet, wie die Welt aussieht und warum ich nicht Recht haben kann, auch nicht bei Dingen, die meine persönliche Meinung sind. Besonders beliebt alle Variationen von: »Als Nichtmutter kann man nicht mitreden.« Wage ich es, eine Meinung über ein Kind (einen Vorfall, ein eigenes Erlebnis - mein eigenes Erlebnis, wohlgemerkt) zu haben, werde ich anschließend ausführlich belehrt, dass man “das alles” erst mal selbst mitgemacht haben müsse.
Kinder seien eine Zumutung und die solle man sich doch sparen - auf meinen Einwand hin, dass es anscheinend auch ein paar Leute gibt, die das anders sehen: Das weiß man ja sowieso alles erst, wenn man eigene hat. Sprich: Du hast keine, also halt’s Maul.
Kinder seien eine enorme Belastung - auf meinen Einwand hin, dass man das nicht so pauschalisieren könne und manche Leute hätten eben doch Spaß daran, zum Beispiel die Kinder der Nachbarn mal mit in den Zoo zu nehmen: Das kann man sowieso erst beurteilen, wenn man mitreden kann, und mitreden kann man erst, wenn die Kinder nach dem Zoobesuch nicht wieder abgeben kann, sondern wenn man mindestens dreimal selbst geworfen hat. In meinen Worten ausgedrückt, pardon.
Und so weiter. Und so weiter. Und tatsächlich immer noch weiter so, völlig egal, ob man antwortet oder nicht: Es gibt eben Leute, die haben Kinder und wissen daher, dass man keine haben sollte und wer aber keine hat, sollte das Maul halten, weil keine Ahnung. Oder so.
Rein sachlich ist mir klar, dass das unerträgliche Gewäsch eine Niveaufrage ist und es gute Gründe dafür gibt, dass mittägliche Talkshows stets mit Gästen gefüllt sind. Emotional betrachtet aber möchte ich den halbleeren Rundschädel mit dem Gesicht ins nächste Katzenklo drücken und erst wieder loslassen, wenn die Tante brav ihr Schüsselchen aufgegessen hat.