Gestern düste ich durch den dämlichen Walmart ...


Gestern düste ich durch den dämlichen Walmart (düdeldidedüüüü - listen to WALMART RADIO!) und grub mich quer durch einen Berg Salatköpfe und Paprika, um die frischesten zu ergattern, drückte zärtlich ein paar Melonen und freundete mich mit verschiedenen Sorten Nutella-Ersatz an, Snickers-Spread zum Beispiel.

Walmart Radio tönte so vor sich hin, die Gänge waren leer und ich sang leise mit
”... Four a.m. in the morning
Carried away by a moonlight shadow ...”

und hatte ein mittelschweres 80er Flashback. Bog um die Ecke und stellte fest, dass ich wohl doch nicht so ganz alleine im Walmart war. Hätte peinlich werden können, das Gesinge. Wenn der andere nicht in seinen 3TageBart gebrummt hätte
” ....I watched your vision forming
Carried away by a moonlight shadow ....”

Er hatte die Augen zu und hat mich nicht gesehen (aber gehört, denke ich ...) und ich bin froh, werde ich doch nicht alleine in freundlicher Betreuung in gekachelter Umgebung landen - wenn jemandem mal auffallen sollte, dass Generationen von Musikerblut meiner Familie sich bei mir etwas ungewöhnlich bemerkbar machen.

Ja. Wären die letzten Jahre gesundheitlich nicht so schwierig gewesen, ich hätte es gar nicht bemerkt, wie wunderschön ein brühheisser Tag doch ist. Der Mensch ist ein Tier, dem es erst so richtig dreckig gehen muss, damit er merkt, wie schön das Leben (danach) ist. Ich bin dankbar dafür, dass mein Leben so brockenweise schwierig verlaufen ist und verläuft, wie es ist. Nicht nur, weil ich beobachten kann, wie viele andere Leute mit Mitte 30 entsetzt um sich schauen und ein “war das schon alles” zu verhüten versuchen. Sondern weil es am Ende doch alles gut und richtig war und ist. Man lernt, man wächst. Nicht jeder, OK :-) manche bleiben stehen. Aber ich merke schon sehr an mir und für mich, dass viele Dinge sich verändert haben, gewachsen sind und jetzt passen wie ein Bademantel aus alter mitternachtsblauer Seide. Habe so meine Zweifel, ob das auch so wäre, wenn alles bilderbuch-ebenmässig, gesponsort und getätschelbehütet verlaufen wäre.

Und dann sind da noch die kleinen Dinge. Wenn ich feststelle, dass mein Laptopmodemkabel fürsorglich mit einer meiner Haarspangen aus dem Weg geklammert wurde. Wer kennt noch diese kleinen “Liebe ist ...” Comics?
Liebe ist ... einen Hub kaufen, wenn beide wissen, wovon sie reden. Auch Herr Rossi und Zirbella suchen das Glück. (Was mir zu Melonen des Lebens eingefallen ist, kann man sich eigentlich auch denken, obwohl weder Anna noch Zirbel diese vollbrüstige Assoziation hatten, das ist offensichtlich.) Und finden es, so wie man Glück immer findet: Hier und da und mit offenen Augen. Im Regal. Im Garten, in der rechten oder der linken Hand. Nicht als Zustand, aber als Geschenk.

Und da ist er wieder, der kleine Schelm, der über meine Finger huscht und mir durch die Haare wirbelt: Alles ist wunderbar zur Zeit, keine nennenswerten Probleme, Gesundheit wird besser ... um was kümmer ich mich denn nun? Was mag ich mir nun vornehmen, was erreichen? Stehenbleiben kann man nicht, das steht fest.

Ein paar Ideen hab ich schon. Allerdings finde ich es bei diesem Wetter sehr schwierig, auch sachliche Gedanken zu haben. Und verraten wird sowieso nichts, gell? :-)

Nachtrag aus der Rubrik “ich schmeiss mich in die Ecke”: Dass ich ganz oben im Text geschrieben habe, ich würde Melonen im Supermarkt befingern haben, entsprang bereits meinen Tasten, bevor ich die Melonen des Lebens Bei ZirbelAnna fand und entsprechende Assoziationen hatte. So kann man sich natürlich auch vergnügen (also mit haltlosem Kichern über geschriebene Zufälle, nicht mit Melonendrücken, obwohl auch das sicher nett sein kann).
Ts. LOL! :-)