/gähnt verhalten

Morgen wird Henrietta zwei Wochen alt und ich kann es immer noch nicht wirklich fassen, wie anders die Welt plötzlich ist. Sanfter an den Kanten, viel weiter geöffnet und verletzlich, unglaublich groß und voller Möglichkeiten. So unglaublich stressig. Absolut wunderbar.

Aus dem knubbeligen kleinen Kartöffelchen ist schon jetzt ein Persönchen mit großen blanken Augen geworden, die aufmerksam jede Bewegung im Zimmer verfolgen. Will sie essen, schmatzt sie auf zwei Fingern - so verstehen auch ungeübte Eltern ihr Anliegen. Das kann noch heiter werden hier.

Die langen Finger krallen sich energisch um meine Finger um ihren Kopf, wenn ich sie stille - hoch oben über den Ohren und zwar an beiden Seiten. Das sieht dann etwa so aus, nur dass im offenen Mund die Nahrungszufuhr steckt und ihre Hände feste meinen Daumen und kleinen Finger umklammern (wenn sie das macht, nennen wir sie Munchie).

Als die Hebamme zu uns sagte “Der Rhythmus bleibt jetzt erst mal so” sollte das bestimmt tröstend klingen. Momentan kann ich noch nichts tröstendes daran finden, alle zweieinhalb Stunden für etwa 60 bis 90 Minuten zu stillen, damit unser Baby nicht zu Chucky (die Mörderpuppe) mutiert, aber da sich mein Hirn sowieso gerade in einen Brei aus Babyglück und Schlafmangel verwandelt, kann das durchaus auch an mir liegen. Das Baby ist jedenfalls perfekt, sie kann nicht der Grund sein.

Henrietta hat so viele schöne Geschenke und Briefe bekommen, ich muss mich unbedingt richtig für alles bedanken, sobald die Tage nicht mehr so komplett durchgeflauscht sind. Und Fotos machen.

Theoretischer Schlafmangel ist übrigens immer noch was ganz anderes als praktischer, ebenso wie man sich wesentlich unbefangener für einen Kaiserschnitt entscheidet, wenn man noch keinen ausgebadet hat. Vielleicht schreibe ich ihn dann doch noch, den Geburtsbericht - das ist vermutlich einfacher, als die ganzen einzelnen Mails zu beantworten.

Aber nicht heute.

Bild20