From the deep sea of a Cloud to the island of the Moon (WTF?)

Der Inselwind tut sein Bestes, um trotz blauem Himmel und sich immer wieder tapfer hochkämpfender Sonne als Sturm durchzugehen, die See spielt mit und schäumt wild dunkelgraugrün. Vermutlich bei jedem Wetter der schönste Ort auf der Insel ist und bleibt die Milchbar am Meer, die sonnendurchflutet und windumtost ist, in der es nach Zimt und Milchreis riecht und die mich zunächst reinlegte mit einem Stück von Vivaldi, um unerbittlich nur drei Minuten später wieder auf Enya im Loop umzuschalten.

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Vorn zur Straße hin sieht die Milchbar aus wie ein etwas edleres Eiscafé mit Barhockern an hohen Abstellflächen (ohne albern kleine Tischlein und blecherne Bistrostühlchen), zum Strand hin ist sie ein großer heller Raum mit freundlichem hellen Holzmobiliar, geräumigen Rattan-Sofas an der Rückwand und einer zweiseitigen Fensterfront mit Meerblick rundum. Sonnenübersprenkelt mit nur wenigen geschmackvollen Accessoires, die glücklicherweise nicht dem „maritimen Landhaus-Style“ angehören, der hier überall an die Touristen gebracht wird. Schön ist es hier, und es könnte zeitlos sein. Ohne die Dauermieterin Enya und ähnlich klingendes Dauerberieselungsgewinsele würde ich vielleicht morgens kommen und bis abends bleiben, aber dank dieser (sail away sail away sail away) Hausgeister ist eine XXL-Akku-Länge dann auch genug.

Ein kleines blondes Kind führt einen sorgfältigen Abgleich aller Nahrungsmittel auf dem Tisch der Familie durch: Sieht aus wie Kacka, sieht ein bisschen aus wie Kacka, sieht nicht aus wie Kacka. Sieht aus wie Pipi, nur wie Brei. (Das muss das Curry sein, Anmerkung der Redaktion) Ich will sagt ein dünnes kleines Mädchen nach ausgiebigem Beäugen meiner regenbogengeringelten Knöchel, Ich will auch selbstgestrickte Socken haben! Die Mutter blättert in ihrer Zeitung und macht eine abwehrende Geste, ohne aufzusehen. Das kann ich nicht, ich kann keine Socken stricken. Warte, bis ihr es in der Schule lernt. Ich bin froh, weil ich so viele geschenkte bunte Sockenpaare wie Inseltage habe, und das sind nicht wenig. Wolliger Reichtum, unbezahlbare Wärme bis hinauf zur Metaebene. Manchmal ziehe ich zwei verschiedene zusammen an, nur so. Weil ich kann.

Die Rattan-Sofas im Beinahe-Kolonialstil sind so tief, dass kleinere Menschen gar nicht mehr zu sehen sind, wenn sie sich reinsetzen. Ich kann über den Rand schauen, aber ich gucke lieber drauf: Was für ein Kratzmöbel! Alle Anwesenden haben rote Nasen, sehen entspannt und gut durchgepustet aus, meine Nase tropft anerkennend vor sich hin. Deswegen bin ich ans Meer gekommen: Damit ein paar Sachen mal wieder richtig funktionieren, und wenn es die Schleimhäute sind. Der Mann liest ein Buch über Fundamentalisten und ich versuche es sorgfältig zu vermeiden, den Text von ‚Orinoko flow’ zu erlernen. Die Sonne malt bunte Tupfen überall in den Raum und der Zimtgeruch wird durch Bockwurst und Erbsensuppe vom Nebentisch gekillt, an dem man sich nun laute lustige Geschichten zu erzählen beginnt.

Ich wäre jetzt gerne alleine.

In weichen großen Kreisen dreht die Insel sich ganz leicht um mich, wenn ich aufstehe. Seekrank, ohne auf dem Meer zu sein, wackelig auf den Beinen, ohne vorher auf dem Wasser unterwegs gewesen zu sein. Ich werde nicht fallen, so lange ich nicht zu sehr darauf achte, das weiß ich. Der tote Schmetterling in meinem Hals gibt ein Phantomklopfen von sich und ich ahne, dass meine Wangen glühen und meine Augen leuchten, als wäre ich außerordentlich gesund und frisch.

Sail away sail away sail away
carry me on the waves to the lands I’ve never seen

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