Flurbewohner

Vor ein paar Monaten bezog ein kleiner Froschkönig das Fensterbrett auf dem obersten Treppenaufgang und sitzt seitdem jeden Tag ein bisschen anders. Wir stellen ihn jedes Mal an einen anderen Fleck, in die Ecke gegenüber oder auch schon mal auf den Boden vor dem Fenster und nach einiger Zeit begann die kleine Kitschskulptur dann auch zu wandern, wenn wir sie nicht selbst versetzt haben.

Eine Zeitlang wurde der Froschkönig von einer noch kitschigeren Mini-Elfe begleitet, die jetzt wieder weg ist und seit Ostern ist es ein blaues Huhn. Das Huhn kam von uns. Dieses kleine Keramikhuhn hat jetzt auch noch eine große blaue Feder produziert, die der Froschkönig gestern wie eine Boa um den Hals geschwungen hatte. Wir wissen nicht viel über die Herkunft der Feder.

Am Ostermontag ging Hagen mit seinem Vater nach unten auf den Kirchplatz, um Fahrrad fahren zu

lernen

üben. Ein Event übrigens, an dem so ziemlich alle Bewohner des Hauses vom Fenster aus teilnehmen, wie sich bei Gesprächen herausstellt: Hagen mit Helm auf dem heftig schwankenden Rad, wie er hoch konzentriert alleine um die Kirche eiert, um die Ecke verschwindet … nach endlosen Sekunden auf der anderen Seite hochrot im Gesicht wieder auftaucht und am Ende triumphierend umfällt, wenn er die Runde geschafft hat, das will man nicht verpassen.

Als er die Treppe wieder hochkletterte, hatte das Keramikhuhn zwei Schokoladenhasen geworfen, auf denen »Hagen« und »Lea« stand, was ihn schwer erschüttert hat: »Aber WOHER kommen die Hasen denn jetzt?!«

Ob sein Vater es wusste, ist uns nicht bekannt.

Dieser Eintrag hat keine Pointe.