Dienstag II

Mein mitreisendes Gegenüber mit dem Toshiba-Notebook könnte ich jetzt mühelos googeln, denn er hat sich bereits zum vierten Mal am Handy mit Firma und Namen gemeldet. Niedlich sieht er aus, dunkel gelockter und leicht bärtiger Business-Look inklusive Krawatte und festmutiertem Nokia-Handy. Leider ist er unter 30 und mein Boygroup-Modul ist irgendwie kaputtgegangen, was ich flüchtig bedauere, dezimiert es doch die optisch unterhaltsamen Männchen ganz entschieden. Da kann man wohl nichts machen, ich interessiere mich inzwischen unaufhaltsam mehr für alte Knacker ab 30 oder schlimmer.

„Null komma zwei Prozent? Das ist aber ungewöhnlich, hat die Frau T. Ihnen das geschrieben? Was wollen die denn haben?“ Blick in den Laptop und längere Ausführungen über Vorabaustausch der unter Vertrag zu nehmenden Produkte ... und das alles am Handy im Zug nach Norderney und zum dritten Mal. Da blogge ich doch lieber ein bisschen auf dem Trockenen. Also nicht weil ich müsste, ich halte mich auch nur ein bisschen an der Mouse fest. Keine Anzeichen von warmem Entzug - ich habe noch kein Mal versehentlich auf den Posteingang geklickt.

Seltsam ist das, wie man verwandten Wesen vertraut. Ich hätte nicht die geringsten Bedenken, dem schnieken Business-Bengel mit dem großformatigen Toshiba oder dem Dreadlock-Studenten mit dem abgeschabten Apple-Book meine Armada anzuvertrauen, wenn ich mal eben aufs Klo gehe. Aber die Oma mit dem Strickzeug oder diese legosteinwerfende Familie kämen nicht in Frage.

Business Boy wurde soeben zum vierten Mal von ein- und demselben Kunden angerufen. „So einen Job hatte ich auch mal.“ Das konnte ich mir nicht verkneifen. Er grinst nur. Man ist in diesen Jobs so tief gefangen, dass man gar nicht merkt, es müsste kein Lifestyle sein – ich erinnere mich flüchtig und bin auf einmal noch froher als sowieso schon. Dann habe ich ihn noch mit meinem Handy geknipst, aber ich glaube nicht, dass er das gemerkt hat. Bloggen darf ich das natürlich nicht. Persönlichkeitsrechte, und damit keiner neidisch wird, der während der Arbeit keine so schöne Aussicht hat.