Der Staub, der sich in der Nähe ...

Der Staub, der sich in der Nähe elektronischer Geräte sammelt, kann ja echt unfassbare Ausmasse annehmen. Wenn ich alleine diese Anhäufung auf dem Tesa-Abroller sehe, das müssen mindestens fünf Kilo sein - und sie machen “brööömmmm”, wenn ich sie entfernen will :-)

Nandi ist sehr, sehr froh gewesen, dass ich wieder nach Hause gekommen bin. Klar, er und sein Kumpel Oliver hatten eine Menge Spass - und als ich unerwartet nach Hause kam, konnte ich auch sehen, wo einige Möbelstücke wie z. B. mein heissgeliebter blauer Stuhl den Zwecken von Oliver viel dienlicher sein würden *g* Nur warum das Bügelbrett im Wohnzimmer stand, habe ich immer noch nicht ganz begriffen, während Server mitten im Zimmer, Zeitschaltuhren an Fernseher und Kaffeemaschine und lauter identische, aber frisch angebrochene Flaschen Knoblauchdressing im Kühlschrank mich gar nicht irritieren können. So sind Männer eben, sie denken, Haushalt und Campingurlaub sind artverwandt.

Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass Nandi alles, aber auch wirklich alles machen durfte, was bei mir verboten ist, rannte er direkt auf mich zu, blieb in sicherer Entfernung sitzen und schloss die Augen, um ein genüssliches Dauerschnurren zu starten. Fast zwei Tage lang machte es ununterbrochen brööömmmm, wo auch immer ich war. Vor allem nachts zwischen zwei und vier, wenn ich das nicht so recht zu würdigen wusste, wurde dieses Gebrömme noch durch zärtliche Aktivitäten (Haare abschlappern, mit der Stirn stupsen, Pfote auf Arm legen und notfalls leicht die Krallen zeigen) nachdrücklich unterstützt. Am dritten Tag war er dann vor lauter Zärtlichkeitsbezeugungen so müde, dass er nur noch geschlafen hat *g*

Miss Peppermint war also doppelt und dreifach angesäuert. Erst bin ich abgehauen, ohne sie mitzunehmen. Dann bin ich wiedergekommen, ohne sie um Erlaubnis zu fragen. Und obendrein hätte sie mich gerne mit Verachtung gestraft, aber das ist gar nicht weiter aufgefallen bei dem Benehmen der blonden Konkurrenz. Mehr oder weniger zufällig ist sie dann auch noch ein paar Male hingefallen. Umgekippt. Während sie gerade über mich drüberlatschte, sozusagen. Ein kleiner warmer Rücken kann mich halt auch entzücken und wenn er gezwackelt und gestreichelt werden will, dann erst recht. Zwischen diesen Anzeichen von Schwäche hielt sie sich aber vornehm bedeckt und musterte mich missgünstig. Diese Sache mit dem Verreisen ist schliesslich nicht OK.

Jetzt bin ich schon den 5. Tag wieder zuhause und es geht mir gut. Ich muss da wohl etwas richtigstellen: Es ist nicht so, als ob der Inselaufenthalt mir nicht geholfen hätte! Erst als einige Freunde und Fremde ;-) mir besorgte Mails geschrieben haben, wurde mir klar, dass der Eindruck entstanden sein könnte, es habe nichts bewirkt, dass ich eine fünfstellige Summe in einen Laptop, ein mobiles Büro, einen Transfer, Behandlungen und einen Aufenthalt auf Norderney gesteckt habe (*grummel*) Doch. Es hat sich gelohnt.

Mir geht es verdammt viel besser. Kein Fieber mehr. Keine Zusammenbrüche körperlicher Art bei banalen Tätigkeiten. Endlich vertrage ich die Tabletten. Ich bin tagsüber nicht müde, ich muss zwischendurch nicht schlafen, ich bin belastbar. Ich kann laufen, müssen ja nicht gleich fünf Kilometer zu Fuss sein. Bin gut drauf, die Arbeit flutscht nur so ;-) es ist nur eben nicht so, als ob ich in den wenigen Wochen auf wundersame Weise komplett von allen Übeln der Welt geheilt worden wäre, und das hat mich anfangs doch ein wenig verärgert. Obwohl das nicht fair ist, das gebe ich zu.

Den Grund, warum ich mich vorübergehend gefühlt habe, als hätte mich ein Kamel in die Magengrube getreten, den kann ich euch auch gerne verraten. Inzwischen kratzt es mich nicht mehr so tief, und Begeisterung muss ich ja nicht heucheln. Es ist sehr banal, eigentlich scheissegal und gar nicht dramatisch (und ich bin nicht an einer einzigen Mail von euch zu dem Thema interessiert, das sage ich wohl besser vorbeugend). Es gibt keinen Grund, dieses Thema sensibel zu behandeln, denn so ist das Leben halt. Menschen heiraten, Menschen betrügen sich und lassen sich scheiden oder auch nicht. Während Frauen ab einem bestimmten Alter beschädigte Ware sind, nicht mehr gebärfähig und nur noch begrenzt vorzeigbar ... können Männer, sofern sie noch ein paar Zähne im Mund und ein paar Mark im Portemonnaie haben, immer noch eine neue Runde drehen. So gibt es Pickel, Kriege, Tiefkühlpizza, Regenwetter, alles Dinge, die zum Leben gehören und sowas eben auch.

Trotzdem habe ich mich gefühlt, als würde ein wichtiger Teil meines Lebens endgültig zerbrechen, als ich auf dem Umweg über die üblichen Verdächtigen erfuhr, dass mein Vater seine kommunikationshemmende Freundin heiratet. Und wisst Ihr was? So ist es auch.