Der letzte Tag im Februar - dieser ...

Der letzte Tag im Februar - dieser Monat ist in wenigen Atemzügen verstrichen. Naja, und in einer Menge Schlafzeit :-) Gestern fegte ich in einem Affentempo durch die Innenstadt und hielt dann erstaunt an: Nichts tat weh. Kein Schnaufen, keine Schmerzen. Heute beginnt die fünfte Inselwoche für mich, einige Sachen sind schlimmer geworden, viele besser. Unterm Strich geht es mir verdammt viel besser als vorher, auch wenn ich mich noch wie eine Baustelle fühle. Wer weiß, ob das vergeht? Auch andere haben Gesundheitsprobleme, ab 35 scheinen die sich zu häufen, mein Unfall hat da wohl nur vorgegriffen.
Die gewissenhafte Einhaltung der Anwendungen habe ich nicht bewältigt. Mal ging es mir zu schlecht zum Schwimmen, mal war das Bein zu heiß und verhärtet für die Schlickpackung, mal war die Lymphdrainagen-Dame krank, mal hatte ich Durchfall und legte natürlich keinen Wert darauf, dann auch noch schwimmen zu gehen. Die anderen hätten das sicher auch nicht toll gefunden *g* Aber es ist schon OK so. Es ist nicht schlecht, sich mal ein bisschen verwöhnen zu lassen - und jederzeit aufzuhören, wenn es nicht passt.

Die Insel füllt sich mehr und mehr mit Menschen und ich mich mit latentem Unbehagen deswegen. Wie in jeder “festen” Umgebung habe ich meine Rituale, Einkaufsorte und Lieblingsrestaurants. Zuviel Menschen stören das. Ich habe auch nicht gewusst, dass der Februar schon Saison ist. Vor-österlich, sozusagen.

Jeden Tag habe ich geschrieben - so, wie ich es mir vorgestellt habe. Klar, dass andere Erlebnisse und ein oft geänderter Tonfall die Einträge begleiten, die nicht im häuslichen Erleben entstanden. Das war kein Vorsatz, das tägliche Schreiben: Ich halte nicht viel von festen Vorsätzen und am wenigsten halte ich davon, diese - wenn doch gefasst - öffentlich zu verkünden *g* Sondern es war eher eine bewusste Entscheidung. Ich möchte die anstrengende und schlimme Zeit nachlesen können, später. Wie immer und wie bei jedem akuten Problem wächst man auch daran, gewinnt Kraft und Power, irgendwann auch Abstand. Der Februar gehört mir, auch nach vielen Jahren werde ich nun noch wissen, wie sich die Insel angefühlt hat.

Dieser Monat ist es auch gewesen, in dem ich gesehen habe, dass das Internet nun wirklich Einzug in das Leben meines Vaters gehalten hat. Als ich ihm das erste Mal das WWW zeigte, klickte er nur ein bisschen herum - interessierte sich nicht die Bohne für meine Erklärungen, meine Homepage, Mail oder Suchmaschinen. Auch nachdem wir den komplett aufgerüsteten Computer nach Kanada geschafft hatten, kam zunächst nicht viel. Er hat die Webcam erst benutzt, nachdem ein Besucher sie installierte. Anscheinend funktionierten der Drucker und Co, sonst hätten wir das sicher zu hören bekommen, aber aktives Feedback gab es nicht.

Dann begann er, mehr und mehr Mails zu schreiben. Dann solche mit angehängten Momentaufnahmen. Er konnte erst kaum akzeptieren, dass sich an meiner Erreichbarkeit nichts ändert, egal wo ich bin - nun nutzt er dasselbe Prinzip. Und vorgestern hat er mir ganz nebenbei mitgeteilt, er wisse nicht, ob meine Briefsendung schon angekommen sei, denn seit er alles über Mail abwickeln würde, schauten sie nicht mehr jeden Tag in den Briefkasten an der Strasse. Na also. Hat ja gar nicht so lange gedauert.