Das Web brodelt und blubbert, an manchen ...


Das Web brodelt und blubbert, an manchen Stellen wachsen Seerosen, an anderen steigen faulige Dämpfe auf. Wenn ich beobachte, wer sich da alles tummelt und wälzt und den Boden aufwühlt, dann kann ich schon heute nicht mehr nachvollziehen, warum mich solche Vorfälle vor einigen Wochen noch auf der ‘menschlichen’ Ebene interessiert haben. Wenn ich die unterhaltsamen Tragödien und Komödien sehe, die sich in Gästebüchern, Tagebüchern und Foren abspielen und die weisen (anmassenden, hirnrissigen, albernen) Sprüche lese, zu denen selbsternannte Kommentatoren sich wiederum offensichtlich verpflichtet fühlen ... ganz zu schweigen von hysterischen Abwehrreaktionen und dem Hang zum schönen Schein ... dann habe ich das Gefühl, ich sitze am Rand, lasse die Füsse im Wasser baumeln und beobachte nur gelegentlich und ohne tiefere Anteilnahme das Getümmel, in dem die abgrundtiefe Dummheit der Menschen sich ebenso wie kreatives Potential und faszinierende Vielfalt zeigen. Wobei kreatives Potential bodenlose Stupidität nicht ausschliesst.

Vielleicht war ich früher zu romantisch, ja idealistisch. Warum sonst hätte ich mir die Mühe gemacht, die Heuchler und die Lügner zu verachten? Das tue ich jetzt nicht mehr. Nicht mal mehr das :-) und auch wenn sich die neue Gleichgültigkeit so anhören mag, als sei sie duster und mit schweren Narben errungen - so ist doch das Gegenteil der Fall. Es ist eher ein freies, entspanntes Feeling. Schliesslich bin das immer ich gewesen, die völlig unbedarften (computerlosen) Mitmenschen erklärt hat, das Web sei eigentlich auch nichts anderes als die grosse, echte und nonvirtuelle Welt, nur mit verschobenen Kommunikationsmöglichkeiten. Aber so schön und innovativ die Möglichkeiten auch sein mögen, was helfen mir die tollsten Interaktivitäten, wenn ich doch nun mal nicht mit Mantablondinen, Hausfrauen, Autoknackern, Schleimbrocken und Lügnern kommunizieren möchte? Und nicht zu vergessen die Typen mit krankhaften Fixierungen, die vor dem Leben (Diplomarbeiten, Abschlüsse, feste Arbeitsplätze) davonlaufen und sich im Web verstecken. Näääääh.

Es gibt ja glücklicherweise auch noch massenhaft andere Leute online. Ist halt wirklich ein bisschen wie im echten Leben. Da geht man ja auch nicht reihum zu den Leuten, mit denen man nichts anfangen kann, um eben das immer wieder aufs Neue festzustellen :-)