Das Leben, wie ich es kannte

Das Leben, wie ich es kannte, endete gestern, als ich halbnackt mit meinem Kind auf dem Arm vor den Flammen flüchtete.

Das neue begann damit, einen Tag später den lebenden Kater doch noch aus den Trümmern zu ziehen, nachdem wir ihn alle schon betrauert hatten. Aber ich konnte es nicht glauben, dass er tot sein sollte - und hatte Recht. Ich hätte jedes Stück Holz aus dieser Wohnung gekratzt, um nach ihm zu suchen und verspreche, dass ich ihn nie mehr “den Braten” nennen werde.

Wir sollten jetzt alle als Familie zusammen sein, aber der Mann ist noch im Krankenhaus (nicht mehr auf der Intensivstation endlich), die Katzen bei einer freundlichen Nachbarin. Das Kind schläft auf dem Sofa, von dem ich gerade aufgestanden bin, weil es für 2 zu eng ist, auch wenn eine von uns klein ist.

Ein Berg Geröll aus geretteten Gegenständen in Taschen und Körben umgibt mich und ich weiß: Wir können hier nicht wirklich lange bleiben und dieser befreundeten Familie ein Flüchtlingslager aus ihrem Leben machen, das geht einfach nicht.

Ohne unsere Freunde, wie hätte der Tag gestern ausgesehen? Ich bin froh, dass ich es nicht erfahren muss.

Die Sonne wird in ein paar Minuten aufgehen. Fünfunddreißig Grad warten auf mich. Meine Thrombose ningelt vor sich hin wie die lieben Verwandten, die ich gestern trösten musste. Nicht getröstet werden müssen, wenn anderen die Existenz zerbricht, das kommt auf die lange Liste “wie ich als alte Frau nicht werde, wenn ich denn eine alte Frau werde”.

Ich muss so schnell wie möglich Stauraum besorgen, Kartons oder Kästen, Helfer zum Retten weiterer Gegenstände, eine Wohnung für die nächsten Monate, Geld verdienen.

Ein verdammt langer Tag liegt vor mir und ich würde so gerne endlich weinen können.