Blau-violett ist keine gute Farbe für einen ...


Blau-violett ist keine gute Farbe für einen Zeh, durfte ich gestern feststellen. Ich hatte die Wahl, entweder auf Miss Peppermint oder gegen die Türkante zu treten und der Zeh hatte das Nachsehen, die Katze durfte ich obendrein noch trösten - sie hatte sich durch den Schmerzensschrei erschreckt. Grmpf. Was ist das nur mit meinen Füssen, wieso ständig und immer was Neues?! Gebrochen ist er nicht, der Zeh, aber die Farbe ist fast so ekelig wie der billige Lack, den manche sich da freiwillig draufschmieren :-) Macht nix, ich werde mir auch dadurch heute die Laune nicht verderben lassen.

Mit wachsender Gereiztheit reagiere ich allerdings auf einige andere Dinge: “Redakteure” für Unterhaltungssendungen, die Idioten für die Teilnahme an Fernsehsendungen - Quiz, Billig-Talkshow, Big Bother (sic) - suchen. Webzecken, die andere für eine Art Tankstelle halten, verdammt noch mal, wie lustig ist es wohl, wenn jemand sich über Monate hinweg nur meldet, weil er/sie was will und dann zum Kotzen! (sorry) hartnäckig ist? Dann noch die Leute, die einen stundenlang am Stück so brunzdumme Fragen fragen wie “wie wird man Autor”, “wie kommt man als Journalist an Aufträge”, “wie kommt man als Webdesigner auf Aufträge”, “wie wird man Webdesigner”, “was ist ein Webdesigner”, “was ist der Unterschied zwischen Autor und Schriftsteller”, “was zahlen deine Auftraggeber”, “was verdient man an Büchern” (da gibt es übrigens einen Pauschalpreis, jeder Autor in der Republik, ob Fachbuch oder Belletristik, bekommt genau 157 DM und 39 Pfennige pro Buch, egal wie dick, bei welchem Verlag und in welcher Ausführung und unabhängig davon, wieviele Exemplare verkauft werden ...) und das anscheinend völlig normal finden.

Ich versuche mich da immer reinzudenken, aber ich schaffe es nicht. Zufällig lebe ich gerade ganz genau so, wie ich es möchte. Aber angenommen, mein großer Traum wäre es, Bäckereifachverkäuferin zu werden. Nicht so groß, dass ich wirklich was dafür tun würde, nur gerade so, dass ich, wenn ich an einer Bäckerei vorbeikomme, gierig den Brötchenduft einsauge und reingehe, um die Frauen anzustaunen, die schon Bäckereifachverkäuferin sind. Würde ich grußlos an die Theke drängen, als letzte kommen und mich sofort beschweren, dass ich drei Minuten warten muss ... um dann zu fragen: Sind alle Brötchen bundesweit gleich groß? Gibt es Regeln für Brötchengrößen? Ist es schwer, gleichmäßige Brötchen zu machen? Was kosten Brötchen hier und in den anderen Läden der Stadt? Machen Sie gerne Brötchen und was sagen Sie zu Vollkornbrötchen, Sesambrötchen und Müslibrötchen? Kann man nicht auch eine Schürze in einer anderen Farbe tragen? Also, ICH habe ja noch gar keine Schürze, aber ich denke mal, ich würde alles anders machen und auch eine bessere Schürze finden, jawohl. Kann man hier ein Brötchen kaufen, um es sich mal anzugucken? Na, dann werde ich doch mal, hahahaa, einen kritischen Blick auf dieses Brötchen werfen, einen wohlwollenden, versteht sich. Man weiss ja nicht, vielleicht sind wir ja bald Kollegen, das bisschen Backen kann ich sicher auch. Ich wollte schon immer ein Brötchen backen, das wird schon klappen, und ich habe es dann wahrscheinlich nicht nötig, so eine Schürze zu tragen. Welche Brötchen haben Sie denn selbst in letzter Zeit gegessen? Sollen wir nicht mal ein Brötchen zusammen backen? Geben Sie mir doch bitte mal eben schnell das Rezept. Ansonsten frohes Brötchenbacken noch, ich komm dann morgen und stelle noch mehr Fragen, danke im voraus für die in Anspruch genommene Zeit ...

Arghng. Diese fremden! Leute sind jeder für sich wahrscheinlich ganz nett, aber die Gedankenlosigkeit der Forderungen kommt als Massenware echt nicht gut. Es ist zu blöd von mir, freundlich und zuvorkommend auf Anfragen einzugehen - man kann das satte “swottsch” schon beinahe hören, mit dem sich dann festgesaugt wird. Bitte schön, wenn meine Antwort so begehrt ist, dann leistet Euch gefälligst auch den Luxus einer Anrede, eines Hallo und einer vernünftigen Unterschrift (Realname). Ein kleines Danke nach dem geduldigen Beantworten von dreihundert dämlichen Fragen kann die erneute Kontaktaufnahme nach einer Woche (wenn Euch der nächste Schwall Fragen eingefallen ist) enorm erleichtern. Sollte nicht sofort eine Antwort kommen, kann man auch dafür sorgen, dass man nie mehr eine erhält: Indem man im drei-Minuten-Takt nachfragt, wo die Response bleibt, nämlich :-) *schimpf*

Jaja, das kommt daher, dass überall so groß für “alles kostenlos im Web” geworben wird. Da kommen sie alle gerannt und kapieren erst spät oder nie, dass es ein Geben und Nehmen ist. Erstaunlich eigentlich, das restliche Leben ist doch auch nicht anders. Manchmal habe ich bloss Angst, dass die meisten gar nichts zu geben haben - nicht mal Höflichkeit und die Bemühung, wenigstens rudimentär Rücksicht und Verstand einzusetzen.

Ärgerlich. Aber es gibt auch schöne Dinge: Es ist Wochenende, und zwar das Wochenende des Wellen-
brecher-Treffens in Berlin *freu* ;-)
auch allen anderen ein schönes Weekend!