Ambitionen

hoch hinaus

»Ohje!« Meine Mutter gibt gern kreißsägenartige panische Töne von sich, wenn es um ihre Enkelin geht: »Darf deine Tochter das?!«

Kann man getrost übersetzen mit: ‘Warum waltest du nicht deiner Aufsichtspflicht, mein kleines Enkelkind klettert auf zweieinhalb Meter hohe Spieltürme!’

»Meine Tochter darf das, was sie kann.« antwortete ich prompt, wenn auch nicht ganz wahrheitsgemäß. Aber wozu die Feinheiten diskutieren, wenn es doch im Grunde nur darum geht, dass die Omas insgeheim die ganze Zeit denken, sie könnten es ja doch besser. Alles. Vor allem die Erziehung. Wenn sie denn bloß dürften.

Wenn ich meine Mutter bitte, dem Kind ein Brot zu machen, bekomme ich als Seitenhieb serviert » ... und wir haben dann auch noch abwechselnd immer ein Stückchen vom Apfel gegessen, denn Vitamine sind wichtig.«

Gut, das wusste ich noch nicht. Wir haben bisher Obst und Gemüse sorgfältig vermieden, ernähren uns von tiefgefrorenem und nicht aufgetautem Weißbrot und Marshmallows, ab und zu bringt der Mann ein Bison mit - das essen wir dann roh. Jetzt, da ich aus offizieller Quelle weiß, dass auch Vitamine irgendwie wichtig sind, besorge ich natürlich ein paar Pillen mit so Vitaminzeugs drin.

Vielleicht warte ich auch einfach ab, bis das Tochterkind sich artikulieren kann und sich nicht mehr so freundlich am Händchen mitziehen lässt. Vieles dürfte sich dann von selbst erledigen.