Als ich klein war

Viel Spaß gehabt beim Lesen dieses getarnten Community-Weblogs zum Thema Kindheitserinnerungen. Kleine Zeitreisen sind auch immer ein bisschen eine Flucht, so wie Träume. Aber wer flüchtet nicht gerne an atemlose Orte mit ganz anderen Sorgen, die im Nachhinein ein bisschen von Magie und Lächeln überpudert sind.

Ganz weichgelacht döste ich mich mit dem Laptop auf der Brust durch die letzten Einträge dort, als per Mail ein großkalibriger Zeitsprung kam: Piazza del Municipio in Napoli. Sieht noch genau so aus wie an jenem brühwarmen Augusttag. Streitend entlang gestolpert auf unvernünftigen Schuhen, Sonnenbrand an strategisch ungünstigen Stellen, Wörterbuch in der Hand, einen gutaussehenden Dämon an der anderen. Die Luft schlug Funken, kein vernünftiger Mensch lief dort herum in der Hitze, aber wir hätten auch bei gemässigtem Klima in fliegenden Fetzen gestanden. Was haben wir gestritten. Immer wieder. Wir mussten ja streiten, wir verstanden uns gar nicht gut genug für alles, was da kochte. Aber wir stritten auch nach einem Jahr noch weiter, als wir uns schon sehr lange sehr gut verständigen konnten .... Und immer wieder sind wir irgendwo hin gefahren, haben von aussen einen kurzen Blick drauf geworfen und dann beschlossen, nicht hinein zu gehen oder hinauf zu steigen oder drin rum zu laufen. An dem Tag damals auch.

 


Um die 20 ‘rum war es eine meiner Ängste, dass ich aus Mangel an Ereignissen eines Tages zu den Leuten gehören würde, die unweigerlich immer dieselbe durchgekaute Erlebnisgeschichte auspacken, wenn es um ein bestimmtes Thema geht. Pawlowsche Idioten, die auf Reizworte anspringen und dann “Als ich damals in Neufundland beim Abenteuerzelten morgens die Asche des ausgehenden Feuers betrachtete” von sich geben - man weiß so was bei diesen Erzählern dann auch immer und wappnet sich innerlich gegen ein instinktives Augenverdrehen oder Dazwischenreden. Später hatte ich dann mehr Verständnis und dachte mir, dass viele Menschen sicherlich nicht sehr viel erleben, wenn man mal genau hinsieht und da ist es wohl nur natürlich, sich an diesen Dingen festzuhalten und sie immer wieder vorzukramen, als Trost oder nicht mal als das. Dann lernte ich, dass man die wichtigsten und schönsten Geschichten nur selten und nur besonderen Menschen erzählt, unter anderem, damit sie sie sich nicht verändern und verwässern.

Vielleicht dachte ich auch, es hört irgendwann mal auf, dass man Erlebnisse hat, die buchstäblich die ganze Seele umrühren. Man denkt ja so ähnliche Sachen in jungen Jahren, wenn man sich überlegt, bis wann man jetzt eigentlich sein Leben festgenietet und unter Dach und Fach haben sollte oder will :-)

Jetzt weiß ich es besser.