15:09 UhrWas hab ich für ein Glück: ...


15:09 Uhr
Was hab ich für ein Glück: Zwei Steckdosen und ein Fischerklavier in unmittelbarer Reichweite. “An der Nooooooordseeeeküste” und “Sah ein Knab ein Röslein stehen” mischen sich ganz allerliebst mit den Stimmen von ca. zweihundert? etwa 12jährigen Mädchen. Sollte diese Fähre jemals auslaufen dürfen und dann sinken, wird das einen Kreischfaktor hervorrufen, der es mit jedem Konzert der Hinterhofstrassen-Bengel aufnehmen kann. “Ich geh mit meiner Laterne und meine Laterne mit mir” und der fliessende Übergang in ein endloses “Wir lagen vor Madagaskar” zeigt jedenfalls deutlich an, dass die Dame mit dem Akkordeon auch lieber langsam ablegen würde. Die Kinder heißen übrigens Mark-Andre und Sophie-Charlotte. War ich ja dicht dran.Na gut, ist ja auch nicht schwierig.
Auf der Mauer auf der Lauer ... ähm, wo war ich?

15:39 Uhr
Nach den drei Chonosen mot dom Kontroboss und Kumbaja?-my-lord konnte auch der Käptn die Singerei nicht mehr ertragen und warf den Motor an. Nicht, um abzulegen, wie es scheint, sondern um mal eine andere Sorte freudiger Erregung hervorzurufen ;-) Na, es wird nun bald losgehen. Ich habe per Handy-Internetverbindung ein Fax geschickt, weil ich ja abgeholt werden soll ...Das ist alles soooo praktisch.

22.58 Uhr
300 Meter vom Meer entfernt, anderthalb Meter vom Sturm. Abendbrot: Apfel, Snickers, Wasser - keine Lust gehabt, das Zimmer bzw. die Aussicht zu verlassen, glühende Wangen (ist hoffentlich nur Inselfieber). Heute mittag war es spannend, über das Handy online zu gehen, das ist nun vorbei. Wenigstens benutze ich das Handy jetzt überhaupt mal. Die Fähre hat das Gesinge irgendwann zum Verstummen gebracht, indem sie sich heftig durch den Seegang schaukelte - nur in meinem Kopf summt es immer noch “go tell it on the mountains”. Ach ja. Over the sea and everywhere.

Der Wind donnert gegen das Fenster und lockt “komm du dummes Landei, schau Dir das Meer bei Nacht an, krabbel durch die Dünen und brech Dir frierend alle Knochen, nur um mich in Aktion zu sehen”. Endlich mal ein Zeichen dafür, dass ich auf der richtigen Seite der 30 angekommen bin, nun bin ich alt und faul genug, um solchen Impulsen nicht mehr nachzugeben. Obwohl es Nächte am Golf von Neapel und am Atlantis in der Nähe von Sagres gibt, in denen ich zwar sehr gefroren, aber es nicht eine Sekunde bereut habe, mir das lebendige Meer anzuschauen ... muss die rauhe Nordsee bis morgen warten. Gute Nacht.