Moving-Target.de

»Somebody said it takes about six weeks to get back to normal after you've had a baby. Somebody doesn't know that once you're a mother, normal is history.«

»There are times when parenthood seems nothing more than feeding the hand that bites you.« Peter de Vries

Navigation

Aktuell | Rubriken | Archiv seit 1996

Blogosphärisches | Blogroll | Über ...

Aktuellste Einträge:

Abonnieren:



Peripherie

Haupteingang
Notizblog
Webdesign CMS
Kurzgeschichten
Kuechenzeilen.de
Muttertag | Alphamama
Schutt & Asche
Notizblog | Buchblogger
Lebkuchenhaus | Düsseldorf für Kinder

Kontakt

Impressum

powered by ExpressionEngine






Kitchen Talk « | » Obenauf

In den Wänden

Herr Schmidt hatte wenigstens genug Anstand, betreten zu Boden zu blicken, als der Malermeister uns zeigte, wo das Nikotin von Jahrzehnten und eine weitere Kaminversottung später nochmals durch die Wände suppen könnten, wenn wir Pech haben. Er lehnte an seinem früheren Wäschetrockner, der hinten im Flur gestanden hatte – dort, wo wir die Wand angeglichen, den Flur isoliert und um ein ganzes Stück verengt hatten. Der Ellenbogen mit der Bierhaltehand steckte folgerichtig ein ganzes Stück weit im Putz, aber das kann einen frischen Hausgeist in der Einarbeitungsphase offensichtlich nicht erschüttern.

Mit verhaltenem Stolz sagte er »Mein Leben lang habe ich geraucht wie ein Schlot und jeden Tag meine Bierchen getrunken und bin doch über achtzig Jahre alt geworden!« Mein nicht zu unterdrückendes verächtliches Schnauben landete leider beim Maler, der sofort verkündete, auf der Rechnung würde dann auch ein Vermerk stehen, dass man für Versottung und Versuppung dieser alten Wände keine Haftung übernehmen könne.

Auch Schmidtchen sah nicht so aus, als ob er sich eben mal überstreichen lassen würde, um dann spurlos zu verschwinden. Jede seiner Zigaretten der letzten fast vier Jahrzehnte steckte in der Wand, jedes Röcheln im Lüftungsschacht, der Fußboden musste durchtränkt gewesen sein von Alkohol und um die Kamine hatte er sich auch nicht gekümmert.

Was mich anging, so konnte er verdampfen. Wir hatten genug Erinnerungen an ihn, die wir so schnell nicht loswerden konnten.

»Wirst du jetzt hier bleiben?« fragte ich ihn lautlos in der Gewissheit, dass er mich hören würde. Er zuckte die Schultern und meinte »Sie ist noch hier.« Dann marschierte der Azubi des Malers durch ihn hindurch und Herr Schmidt zerbröselte mal wieder, ohne eine brauchbare Antwort zu geben auf eine Frage, die zu stellen ich keine Gelegenheit mehr hatte.

Freitag, 25. August 2006 um 10:23 PM
HausgeistLinkDrucken

Ich sehe das Buch schon in meinem Regal stehen:

“Der Vormieter”

Und ich hab es gelesen, bevor es gedruckt ist.

Toll.

Biggi Mestmäcker  am  25. August 2006

Nö. Das wird nicht gedruckt :-)

melody  am  26. August 2006

»Sie ist noch hier.«

Schluck. So ein schöner Satz. Doch, das hat Buchqualität! ;-)

creezy  am  26. August 2006
Seite 1 von 1 Seiten

Es hat keinen Sinn, hier in den Comments kommerzielle URLs abzulegen - SPAM-Adressen werden grundsätzlich entfernt.

Dieser Eintrag kann nicht mehr kommentiert werden.