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Um ein Haar hätte ich den gestrigen ...


Um ein Haar hätte ich den gestrigen Abend am PC verbracht (nein, nicht online *smile*), aber Dagmar von EinsLive hat angerufen und gefragt, ob ich Lust habe, mich im “Ab der Fisch” mit ihr zu treffen. Das ist eine Szenekneipe in der Strasse, wo auch Ulrike wohnt. Eigentlich wollte ich ja später ins Zakk, aber Daggi seh ich auch nicht so oft, also bin ich direkt losgefahren und war natürlich überpünktlich.

Was kann schon passieren, wenn man sich in einer In-Kneipe einfach an einen gemischten Tisch dazustellt und auf seine Bekannten wartet?

Das kann ich Euch sagen. Der Mann mit dem Teller Spaghetti beugte sich vor und fragte, ob er mir etwas geben dürfte. Nennt mich misstrauisch oder so, aber ich wollte erst wissen, was :-) Er hat mir Aimee vorgestellt. Die Freundin dieser virtuellen japanischen Moderatorin, eine Produktion seiner Firma. Vielleicht sollte ich mich langsam mal fragen, ob mir das Wort Computer schon auf die Stirn tätowiert steht, ob das Greifen nach dem Glas Apfelschorle zu sehr an den Griff nach der Mouse erinnerte oder ob ich unruhig mit den Fingern zucke, wenn sie nicht über die Tasten fliegen. Die Kneipe war immerhin rappelvoll - woran erkennt ein Cyberjunkie den anderen? Ich hatte ihm den Computer übrigens auch sofort angesehen, aber ich habe auch massive Vorurteile gegen Mathematik- und Physikstudenten *griins* Äh ... nun gut.

Daggi kam und brachte noch einen netten Journalisten eines anderen Radiosenders mit, der rein zufällig eine Homepage hat, rein zufällig Onliner ist, mir mal mailen wird, ob man die KLAPSE nicht vorstellen kann - während Dow sich mit Daggi darüber unterhielt, wie man Aimee, die Kunstfrau der gegenwärtigen Zukunft, ins Radio bringt, nachdem die nächste virtuelle Nacht auf Arte gelaufen ist.

Der Typ am Nebentisch hörte mit offenem Mund zu, dabei sah der so blöde auch wieder nicht aus. Als Dagmar aufs Klo ging, fragte ich ihn, warum er denn so guckte. “Du polarisiert.” sagte er. Fehlte noch, daß er ein paar elektronische Tarotkarten zückte und mir die virtuelle Zukunft las ... dass ich polarisiere, weiss ich selbst. Dann fügte er noch hinzu “Dumme Leute hassen Dich bestimmt.”, stand auf und ging. Sowas. Bei einem Therapeuten hätte man für so eine Auskunft sicher viel Geld bezahlt *LOL* aber wofür? Dass es wenig Menschen gibt, die mir gegenüber gleichgültig sind, das weiss ich selbst. Hate me or love me - take your choice.

Wieviele meiner oberschlauen Bekannten sagen dauernd, ich bräuchte bloss Tag und Nacht mitschreiben, was mir alles so passiert, und das ergäbe die nächsten Bücher? Alle? Fünf? Jeder zweite?

Nein, das habe ich mir nicht ausgedacht, das ist gerade passiert. Und jetzt gehe ich schlafen. Euch schicke ich zu Aimee. Dow wollte mir einreden, dass seine Visitenkarten auf der CEBIT der grosse Hit waren wie die Dame auch selbst und dass es nur 1.000 Stueck davon gibt und dass sie eines Tages viel wert sein werden, aber ich habe ihn ausgelacht. Sogar als Autorin glaube ich nicht an den bleibenden Wert von Papier.

Freitag, 27. März 1998 um 11:00 PM
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