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To do: Lernen, mit Ablehnung umzugehen

Mit jener Ablehnung, die entsteht, wenn man sich weigert, in einer anstrengenden Arbeitswoche mit einigen Handicaps und vielen Terminen nebenbei noch Leute zu beraten, die man meist auch gar nicht wirklich kennt.

Bevor ihr euch angesprochen fühlt, wiederholt bitte fünfmal: Die ich gar nicht wirklich kenne. Gemeinsame Bekannte sind kein Kennen. Kunden kenne ich. Leute, mit denen ich gemailt habe (vorher!) kenne ich. Gemeinsame Mailinglisten sind kein Kennen. Gemeinsame Webaktivitäten wie Blogs ohne jegliches Beiwerk sind kein Kennen. Puh. Tief durchatmen bitte. Also:

Diese Leute finden einen dann unvermeidlich scheiße und ich selbst bin sauer. Wegen der Erwartungshaltung und der Zumutung, die hinter der Erwartungshaltung steht und weil Leute einen dann auch noch scheiße finden, weil man ihnen die gewünschte Beratung verweigert hat. Die eine Stunde zusätzlich, die eine Mail, das eine Template, die eine Grafik, diese paar Fragen ... fressen mich schon seit so langer Zeit seitlich weg, jede Woche, und es wird immer mehr. Meine anfallenden Rechnungen zahlt keiner, meine Arbeit nimmt mir niemand ab, die Zeit fehlt einfach dann auch. Und: Ich möchte diese Art von Energie nur Freunden und Bekannten geben und nicht jedem, der sich irgendwie denkt, dass ich für ihn nützlich sein könnte - und ich muss und werde das lernen. Fairness oder Normalität sind nicht zu erwarten, die Abgrenzung muss von mir kommen.

Der Dank für Hilfsbereitschaft und gespendete Zeit besteht nämlich in der Regel aus weiteren Fragen und niederträchtigem Gezänk, wenn man sich nicht völlig zum virtuellen Hausdiener macht und auch mal gegensteuert. Man kann also nur verlieren:

1) Entweder Zeit und Freude und Nerven, weil man sich irgendwie dann doch noch kümmert um das fremde Problem und damit etabliert man sich als Hotline, die offensichtlich gerne auch noch WEITERGEREICHT wird an weitere Frager und die in kürzester Zeit als Selbstverständlichkeit betrachtet wird. Weil’s so nett und so bequem ist. 

2) Oder Zeit und Freude und Nerven, weil man die Bitte zurückweisen muss und einen andere dann scheiße finden und zicken - dann ist es aber auch vorbei und irgendwer findet dich scheiße, was sich eh nicht vermeiden lässt, wenn man zu den Rückgratträgern auf dem Planeten zählt und nicht zu den Fussabtretern.

Hm. Mal überlegen. Pseudogeliebt werden für harmoniesüchtige Pflegeleichtigkeit oder abgrundtief und ganz und gar ehrlich abgelehnt werden, weil man fremder Bequemlichkeit nicht bereitwillig diente?

Ich nehm dann mal das Ende mit Schrecken. Shit happens.

Donnerstag, 31. März 2005 um 06:21 PM
selbstgesprächeLinkDrucken

Liebe Melody,

wahre Worte gelassen ausgesprochen! Ich bin immer wieder von den Socken, wie selbstverständlich man von fremden Menschen für deren Belange eingesprannt wird. Diese Menschen sind meist selbst so “belastet”, dass ihnen die Zeit für eine Anrede oder ein Bitte oder Danke fehlt..

Seit ich mich vom “lieb sein” frei gemacht habe, geht es mir viel besser :-)

Liebe Grüße

Marion

Marion  am  03. April 2005
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