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Summer in the City « | » Das Dagbok und das Bilderbuch sind weg.

Sommermenschen.

Viele Männer durchqueren die Stadt in merkwürdig verbeulten Hosen, als Beobachterin ist man nicht sicher, ob die historischen Reste aufgetragen werden oder ob das modisch sein soll oder ist. Ältere Damen tragen gut erhaltene Sommerkleider vergangener Zeiten auf, ohne dass es merkwürdig aussieht, man erkennt sie an den Jahresringen: Beispielsweise bunte Blumen auf Schwarz - Mitte der 80er.

Die jüngeren Frauen sind chic, sehr luftig – einige so gut belüftet, dass sie mit der eigenen Rocklänge nicht klarkommen, sobald es ans Hinsetzen geht. Die meisten sind verkeimt, also mit dem abschätzigen Taxieren der Umwelt beschäftigt im Bewusstsein der eigenen gefühlten Attraktivität und Wichtigkeit. In der Straßenbahn sind sie festgeklebt und man kann sie beobachten wie Fliegen auf einem Saftfleck.

Einem Lächeln sind die Verkeimten eher nicht gewachsen. Einige lächeln zurück, das sind die guten. Manche gucken schnell weg, bei anderen kommt nur eine Grimasse zustande, die Imitation eines echten Gesichtsausdrucks, der spontane Herzlichkeit simulieren soll und es nicht ganz schafft. Sie rupfen und zupfen danach an Haaren oder iPod herum, pulen sich am Bauchnabel-Piercing oder fixieren ihr stummes Handy, sind sichtlich froh, wenn sie aus der Bahn steigen können. Die bösartigsten der verkeimten Biester starren ausdruckslos zurück, doch ein Lächeln können sie nicht niederblicken. Jedenfalls nicht ein echtes, leicht amüsiertes.

Die rollende Sauna ruckelt über die Schienen und alle sind froh, wenn ein Halt den Hauch eines Luftzugs mitbringt. Meine integrierte Klimaanlage funktioniert, die Hände sind klamm, die Stirn perlt und die frisch gewaschenen Haare kringeln sich im Nacken feucht zusammen.

Auf der Bank gegenüber nölt ein froschgesichtiger Zottelbart am Handy darüber, wie ätzend es doch sei, dass sich nun alle über das schöne Wetter beklagen. Er ist laut, penetrant und leider so wenig originell, dass ich erwäge, ihm kurzfristig die Nase zu brechen, doch dann steigt er aus und rettet sein orange getöntes Froschgesicht vor meinen feuchten Fingern. Wahrscheinlich war er sowieso ganzkörperklebrig und ich hätte den Ekel tagelang nicht abschütteln können.

Gut gerochen hat er auch nicht. Das sagt ja oft schon alles.

Freitag, 28. Juli 2006 um 10:16 AM
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und wieder mal ein meisterwerk entdeckt :o)

danke katzenfrau
damaris

damaris  am  04. August 2006
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