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Öj jäj jäj Baby oh Chiquita pliiiese

Bevor ich reinging, hatte ich gar nicht mehr gewusst, warum ich so lange nicht mehr in einem Internet-Café war, jetzt weiß ich es wieder. Die vier Billard spielenden jungen Herren orientalischer Abwurzelung vier Meter hinter mir haben überhaupt kein Problem damit, bereits mitten in der Nacht die eine oder andere Eminem-Imitation abzuliefern. Wenn sie ein Wort nicht kennen, wird es entweder durch “Chiquita” oder “Mama” oder “jäj jäj jäj öj” ersetzt. Stört hier auch niemanden, dass im Grunde ein Shakira-Song läuft - ich kann trotzdem jedes fünfzehnte Wort oder so als “Eminem” identifizieren.

Tja. So viel dazu. Sie hingen reibeisenfremdsprechend an einem Tischchen ab und starrten gemütlich grunzend auf die Fernsehleinwand, als ich reinkam. Aber jetzt ist der Raum voll Übungstestosteron und man spricht sehr laut und sehr abgebrochen Deutsch und tanzt als Hommage an Eminem (?) um den Billardtisch herum. Wäre ich zwölf bis vierzehn Jahre alt und würde ich auf Oberlippenfusseln stehen, die wie Kaffeeprütt aussehen und auf alles, was es nicht bis in die nächste Boygroup geschafft hat, dann, ja dann wäre es jetzt sehr spannend hier.

So ist es nur extrem laut und ein bisschen nervig, weil man nicht zum Arbeiten kommt.

Dummerweise habe ich gerade reflexartig rübergeguckt, als sich einer von denen quer über den Billardtisch warf und irgendwas von “Banana” brüllte und nun geht da drüben richtig die Chiquita-Baby-Post ab, weil man sich wohl irgendwie bestätigt fühlt. Es ist sowieso ein ganz seltsames Phänomen, dass es Menschen gibt, die sich laut pöbelnd danebenbenehmen und sich dann stolz umsehen und darauf hinweisen, dass man sie beachtet. Ja was denn sonst? Um einer Sache aus dem Weg zu gehen, muss man sie zunächst mal wahrnehmen.

Wenn ich jetzt erzähle, dass fünf Meter hinter mir eine halbes Dutzend Pubertätsdeppen im Kreis steht und im Chor einen Song intoniert, in dem es ständig um ihre Mama geht und von dem sie nur anderthalb Sätze kennen und diese immer wiederholen - dann bin ich mir nicht so sicher, ob mir das jemand glaubt. Aber so ist es, und es ist gnadenlos.

Mama ich hab nur für dich diesen letzten Satz
Mama ich weiß dass du mich in deinem Herzen hast
Tsch kk tschh kk tschkkkk Mama MAMA yeha.
Mama bitte is sich Blut wenn du weinst
Mama ich hab nur für dich diesen letzten Satz ...

Ab und zu sagt ein ganz Mutiger in einem beliebigen Zusammenhang ‘ficken’ und dann ist die Aufregung sehr groß, denn der Held muss entsprechend bekichert werden und die anderen müssen dringend noch nachlegen. Sehr anstrengendes Ambiente für eine Frau, auch wenn man das Blagenpack ignoriert, sie sind eben doch sehr laut. An einem unangemessenen Outfit meinerseits in tiefreligiösen Kreisen (...)  kann es nicht liegen, dass die so wegticken - ich bin in Jeans und Pulli unterwegs, während die schwarzgelockte ältere Dame vom Verkaufstresen hautenge Tigerleggings und ein ziemlich durchsichtiges Netzoberteil trägt. Aber das ist ja “Mama” von mindestens einem, das zählt wohl nicht.

Sie sind gefühlt etwa so alt wie Kenzo und der Welt ginge vermutlich nicht viel verloren, wenn man auch diese Bande im Herbst zum Kastrieren bringen würde. Sag ich mal so. Ich geh nicht davon aus, dass sie so lange Sätze lesen können.

Meine eigene Mama sagt immer, man soll auch mal was Nettes sagen. Meistens sagt sie das, wenn es gerade nicht so gut passt, trotzdem hat sie Recht. Dieses Internet-Café mit seiner orientalischen Hinterzimmerhölle kostet nur 1 Euro die Stunde. Wenn das nicht nett ist ...

Dienstag, 10. Januar 2006 um 09:46 AM
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Update: Leider setzen sie sich jetzt neben mich. Mit Bier in der Hand (es ist 11 Uhr 20). Ich musste eben eine Hand von meiner Schulter wischen und wenn ich nicht bald gehe, werde ich wahrscheinlich noch den einen oder anderen Kiefer brechen müssen.
Time to go.

melody  am  10. Januar 2006

Ich hab es deutlich vor Augen gesehen, so anschaulich hast du das beschrieben. Das Üble: Irgendwie schwappt sowas langsam hier rüber. Ich hab gelernt, dass Nico, 16 (mein Ältester), ein “echter Playa” ist. Playa des Ingles? schrieb Micha in Nicos ICQ. “Eh, was issn Pläier des Ingles?”, kam live die Gegenfrage. Denn Playa wird bei den Kids nicht spanisch ausgesprochen, sondern wie “Player”, Spieler also, bedeutet aber eher sowas we “Playboy”, “cooler Typ” und so. Alles klar? *g*
Als ich auf KISS FM gestern hörte, dass es cool wäre bei irgendwas mitzumachen, “weil dich dann alle deine Homies auf KISS FM hören können!”, war ich informiert, denn ich hatte schon vorher gelernt, dass Homies nix weiter als Freunde sind.
Halbe Lieder werden hier übrigens auch gerne mal gesungen.
Dabei ist mein Großer noch echt nett und sein Kumpel ist auch mehr so ein Braver, aber Nicos Pubertät hat ja noch nicht mal richtig angefangen… Da wird er wohl noch einige Hirnzellen, lasssen, oh Mann… Vieleicht sollte ich zur Abhärtung vorher auch schon mal in eine Internetcafé gehen ;-)

Petra  am  10. Januar 2006

ach herrjeh
also auf so was hätte ich ja RICHTIG lust :-)

melody  am  10. Januar 2006

Das sagt einem ja keiner vorher…. Besser: Man will es nicht wahr haben oder denkt, ach, MEINE Kinder werden nicht so. *ggg*
Wenigstens komm ich noch halbwegs mit. Ich höre immerhin selbst gerne HipHop ;-)

Petra  am  10. Januar 2006

Die Internetcafes in aller Welt scheinen sich ja doch zu gleichen. Bis es überall flächendeckendes W-LAN gibt, muss man da wohl ab und zu durch…

Nett auch die “hilfreichen” Angestellten, die weibliche Besucher grundsätzlich zum Gerät begleiten und alles erklären wollen (“Das ist der Browser… und da tippst du die Adresse ein…)”. Die sind dann immer furchtbar enttäuscht, wenn man weitere Hilfe ablehnt. Letztens hab ich einen wirklich beleidigt:

“Kann ich ihnen sonst noch irgendwie helfen?”
“Oh ja, würden Sie mir einen Kaffee bringen?”

Den Kaffee hat dann die “Mutti” gebracht.

Chronistin  am  10. Januar 2006
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