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“Mensch, warum machst Du das denn nicht????” ...


“Mensch, warum machst Du das denn nicht????” werde ich jetzt die ganze Zeit gefragt. Gemeint ist natuerlich die Einladung von gestern zu der Talkshow bei Pro7. Zugegeben, eine Talkshow ist tausendmal besser als ein Dokumentarfilm (“Heute berichten wir ueber Frauen und Technik. Einige dieser seltsamen Wesen auf Abwegen sind sogar im Internet….”), aber trotzdem kann ich mich locker beherrschen. Erstens stimmt es, was ich Herrn M. geschrieben habe: Ich kann mich nicht ins Fernsehen stellen und behaupten, ich haette was gegen Machos und wuerde auf softe Typen fliegen. Wer soll denn das glauben? Und zweitens habe ich eigentlich ueberhaupt nicht vor, mich fuers Privatfernsehen verramschen zu lassen…. schon gar nicht als “Emanze”.

Womit ich nicht sagen will, dass ich mich grundsaetzlich verkriechen werde, wenn jemand oeffentlich mit mir sprechen will, aber der Rahmen sollte stimmen. Radio-Interviews zum Beispiel kann man klasse nebenbei geben (am Telefon) oder einfach schnell beim Studio vorbeifahren, wenn es so nah wie der WDR in Duesseldorf ist. Das hoert sich jetzt vielleicht ziemlich viel an, aber zu Faxclubzeiten habe ich ueber 30 Interviews bei allen moeglichen Radiosendern bundesweit gegeben, was uebrigens mein Leben nicht einmal fuer drei Minuten veraendert hat. Hatte ich auch nicht erwartet. Mail- und andere Interviews sind auch OK, vor allem, weil ich auf dieser wunderhuebschen kleinen Homepage Amok laufen wuerde, wenn meine Aussagen verfaelscht wiedergegeben wuerden, das ist doch immer gut zu wissen. Ausserdem macht ein Interview Spass, vor allem, wenn Fragen gestellt werden, mit denen man nicht rechnet.

Aber alles, was darueber hinaus geht - da waeren dann noch Fernsehen, Bildzeitung und eine Heirat mit Prinz Albert von Monaco - sollte man sich reichlichst ueberlegen. Und abgesehen davon kommen bei mir noch Erfahrungen hinzu, die verhindern, dass ich so blauäugig “Hurra” schreie :-) Selbst bei einem Radio-Interview - eins von denen, wo spaeter “geschnitten” wurde - habe ich schon erlebt, wie man fuer einen fluechtigen Gag zurechtgeschnipselt wird. Dieser Sender schaffte es, das ganze Interview rund um den lapidar dahingesprochenen Satz “Klar haben sich bei uns auch schon mal Leute kennengelernt, wir haben ein Pärchen, das sogar heiraten will” so zurechtzuschneiden .... dass der harmlose kleine Brieffreunde-Club wie eine schwuelstige Orgie der Partnervermittlung mit mir als Puff-Madame wirkte. Das grenzte fast an Rufmord, aber was soll man machen?

Wenn man eine unbekannte Privatperson ist, kann man da gar nichts machen. Und deswegen wird mich keine Boulevard- oder Dokumentarsendung von der falschen Bildschirmseite aus erblicken… und dass ich beruehmt genug werde, um zu was vernuenftigem eingeladen zu werden, das wage ich doch arg zu bezweifeln *grins* Ist damit die Frage hinreichend beantwortet, warum ich nicht geifernd und sabbernd zu der einmaligen Moeglichkeit gegriffen habe, im Fernsehen aufzutreten?

P.S. Nein, ich habe nicht vergessen, dass ich gerade ein Buch auf den Markt bringe. Es gibt sicher eine Menge Leute, die eine Menge Dinge tun, um Aufmerksamkeit, Abrufe oder Verkaufszahlen zu bekommen (auch sowas), aber glaubt mir, das war es mir nicht wert. Und die Marketing-Dame von ECON wird sich schon wieder beruhigen.

Dienstag, 29. April 1997 um 10:00 PM
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